(Geschätzte Lesezeit: 22 Minuten)

Verehrte Leserschaft,

Nachdem meine Leser im vorigen Artikel (in englischer Sprache) bereits einen Einblick in die ehemalige deutsche Kolonie Oxapampa und deren Nachfahren gewinnen konnte, so kommt es diesmal noch dicker. Ich habe mich entschieden, den folgenden Artikel über Pozuzo in Deutsch zu verfassen.

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Gleichzeitig stellt dieser Artikel somit ein Novum auf meinem Blog dar, da ich bisher lediglich in Englisch und Spanisch schrieb. Ich erhoffe mir dadurch natürlich einerseits das Interesse meiner Freunde, Familienmitglieder und alten Weggefährten, die eventuell weder mit Englisch noch Spanisch mithalten können, bzw. dann an der Fremdsprache schnell das Interesse verlieren. Zum anderen jedoch glaube ich, dass ich diesmal um die ein oder andere deutschsprachige Vokabel nicht herumkomme, denn was ich auf meinen knapp zwei Tagen in Pozuzo erleben durfte sprengt die Vorstellungskraft eines jeden Lesers. Um den Artikel so authentisch wie möglich zu halten, nahm ich mir sehr viel Zeit bei der Erstellung. Sie, werter Leser, benötigen ebenfalls ein gewisses Zeitpolster, bis Sie mit allen Texten, Bildern und Videos durch sind. Nun aber genug der einleitenden Schwafelei: Lehnen Sie sich zurück und tauchen Sie mit mir in ein bizarres Reiseziel ein, das Sie sich nicht einmal in Ihren kühnsten Träumen hätten vorstellen können.

WAS MACHT EIN REISEZIEL EINZIGARTIG?

Diese Frage gilt übrigens nicht nur für Reiseziele, sondern praktisch für jedes Produkt oder jeden Service. Aus Marketingsicht wird immer gerne der U.S.P. (Unique Selling Proposition) verwendet, also das Alleinstellungsmerkmal, das einen Wettbewerbsvorteil eines Produktes gegenüber seiner Konkurrenz darbietet. Gewiefte Marketing- und Kommunikationsstrategen versuchen daher zuhauf, einen U.S.P. in ihr Produkt in Form von Vokabeln wie „einzigartig“, „ausschließlich“ oder „einmalig“ kommunikativ zu untermauern. Die Realität sieht jedoch anders aus, liebe Freunde. In Wirklichkeit gibt es gar nicht so viele einzigartige Produkte zu erwerben, wie sie denn kommuniziert werden. Erst Recht nicht, seitdem die Globalisierung den problemlosen Import indischer und chinesischer Schrott-Imitate ermöglichte. Aber das ist ein anderes Thema.

Gleiches gilt ebenfalls für Tourismusdestination. Möglicherweise hat auch Ihnen die gelernte Reiseverkehrskauffrau im lokalen Reisebüro bereits weismachen wollen, dass Sie diese eine Reise, die Ihnen überteuert angedreht werden soll, ein einzigartiges Reiseziel darstellt. Der naive Idealist mag zwar auf einen solchen Trick reinfallen und die Reise buchen, bevor es zu spät ist. Wohingegen der kühle Realist feststellen wird, dass es möglicherweise auch in anderen Ländern Strände, Berge, Wälder, Tiere und Hotels gibt, wie es der Urlaubskatalog verspricht.

Und Recht hat er! Es gibt nur wenige generische, einzigartige Reiseziele auf der Welt, die von Mutter Natur selbst geformt wurden. Und selbst falls das einmal der Fall sein sollte, so war es bestimmt nicht die Absicht von Mutter Natur, dass der Mensch ihre natürlich erschaffenen Ressourcen als Reiseziel auslobt, um diese dann kapitalistisch auszubeuten und zu verwüsten.

Meistens sind dann diese Reiseziele von Menschenhand erschaffen, wie das teuerste Luxushotel oder das höchste Bauwerk der Welt. Aber was, wenn man mal von den vielen einzigartigen olympischen Disziplinen á la „Höher, Schneller und Weiter“ absieht und nach kulturellen, bzw. herkunftsbedingten Merkmalen sucht?

POZUZO IST DIE EINZIGE ÖSTERREICHISCHE KOLONIE DER WELT

Ich hatte die Gelegenheit, ein Reiseziel kennen lernen zu dürfen, das den Titel „einzigartig“ mehr als gerechtfertigt verdient hat. In Peru gibt es die einzige österreichische Kolonie der Welt. Da kommen Sie womöglich ins Zweifeln und auch mir ging es beim ersten Mal genauso. Wir haben ja alle schon einmal etwas von den vielen französischen, niederländischen und britischen Kolonien gehört. Die Spanische Krone hat vor knapp 500 Jahren gar einen halben Kontinent unterjocht und kolonialisiert. Aber wie um alles in der Welt haben es denn die Österreicher geschafft eine Kolonie zu gründen? Noch dazu als Binnenland auf dem europäischen Kontinent ohne eigenen Hafen?

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Hierzu empfehle ich das folgende YouTube-Video, das ihnen komprimiert die wichtigsten Fakten vermitteln wird:

Jenes Video sollte einen ersten groben Eindruck dessen vermitteln, was ich in dem kleinen Dörflein selbst erleben durfte. Allerdings habe ich mich nach Betrachrtung des Videos natürlich wie so oft über die deutsche Lügenpresse, verfälschte Berichte, schlechte Recherchen und mangelhaften Journalismus geärgert. So auch diesmal, denn eine Vielzahl der von der Redaktion von Galileo vorgestellten Informationen sind geschönt, nicht authentisch oder schlichtweg falsch. Wie so oft wird dann dem Zuschauer – hier diesmal von Pro7 – ein falsches Bild vorgegaukelt, was leider nicht den Tatsachen entspricht. Dies soll natürlich nicht ungesühnt bleiben und wurde mit einem saftigen und deutlichen Kommentar meinerseits zu dem Video sanktioniert:

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Anstatt des überbezahlten Moderators Harro Füllgrabe hätte ich selbige Rundführung für Galileo völlig kostenlos gemacht, wäre authentischer rübergekommen und hätte niemals so viel unwahres Zeug dahergeschwafelt. Und viel schlechter als der Moderator sehe ich auch nicht aus! 

Wer sich also bis hierhin alle Informationen angeschaut und durchgelesen hat, dem sei gesagt, dass es noch nicht zu spät ist: Eine Umkehr zum seelenlosen Massenmedium ist noch stets möglich und Sie dürfen gerne das Schäfchen bleiben, dass dem Pro7-Massenmedium bedenkenlos folgt und alles glaubt, was ihm vorgezeigt wird. Möchten Sie aber dem Pro7-Schäfer abtrünnig werden, aus der Herde ausbrechen und einen Insider-Report über die einzige österreichische Kolonie der Welt nach authentischen Maßstäben lesen, der mit einem Kommunikationsstil á la ‘frei von der Leber weg’ serviert wird, so dürfen Sie gerne weiterlesen. Kleinere Rechtschreibfehlerchen natürlich inklusive!

160 Jahre später…

Das heutige Pozuzo 160 Jahre später besteht lediglich aus zwei Hauptstraßen, falls man diese überhaupt so nennen kann. Der Verkehr ist mehr als beruhigt in diesem kleinen 1.000-Einwohner Örtchen und es lässt sich selbst problemfrei auf der Straße latschen, ohne dass man Gefahr läuft, rücksichtslos überrollt zu werden wie sonst im restlichen Land.

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Begleitet wurde ich auf meiner Reise wie schon zuvor in Oxapampa von meiner Freundin Pierina, einer Make-Up-Artistin aus Lima. So stellte ich zumindest sicher, dass ich bei allen folgenden Fotos bestens gestylt aussah. Sofern Sie etwas mehr über die junge Dame herausfinden möchten, so empfehle ich Ihnen den folgenden Link.

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HOSPEDAJE El MANGO: GUT UND GÜNSTIG

Von der Herberge selbst schoss ich so gut wie keine Fotos, da ich mich die meiste Zeit meines Aufenthaltes außerhalb der Räumlichkeiten aufhielt und erst abends nach Einbruch der Dunkelheit zurückkehrte. Dann ließen es jedoch die Lichtverhältnisse nicht mehr zu, dass ich weitere Fotos machte. Aber Sie als Leser haben diesen Artikel ja schließlich nicht angeklickt, damit Sie herausfinden werden, in welchem Bett ich genächtigt habe, oder?! Wie dem auch sei, hier das einzige Foto, das ich von außen aufnahm:

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Die Preise für ein Doppelzimmer waren mit 80 Soles (rund 20 Euro) pro Nacht ebenfalls überschaubar. Nebensaison sei Dank! Das Frühstück mag zwar dem ein oder anderen Leser als mickrig erscheinen…

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…aber ich kann versichern, dass dies mehr oder minder der Maßstab in peruanischen Gasthöfen und Herbergen abseits des standardisierten Hotelbuffets ist. Eher wurde sogar mehr als sonst angeboten, da mir in anderen peruanischen Städten, bzw. Unterkünften auch schon mal lediglich ein trockenes Brot zum Fraß vorgeworfen und als ‘Frühstück Inklusive’ wurde. Somit war ich den Umständen entsprechend zufrieden mit dem, was mir geboten wurde.

Außer natürlich mit dem Kaffee, denn hier habe ich mittlerweile über die Jahre hinweg recht hohe Ansprüche entwickelt, die nur selten erfüllt werden können. Auch der Kaffee aus Pozuzo hat nicht das Zeug, das es benötigt, um Tote wieder aufwecken zu können. Was dennoch außergewöhnlich am Kaffee aus Pozuzo ist, befindet sich nicht im Getränk selbst, sondern in der Art, wie er serviert wird. Ähnlich wie ich bereits in Oxapampa zuvor überrascht wurde, kommt der flüssige Kaffee in einer kleinen Glaskaraffe daher und wird kalt serviert. Man gießt ihn sich in die Tasse mit heißem Wasser hinzu und mengt noch optional diabetisfördernden Zucker bei. Da gezuckerter Kaffee aber eine Schande für den Hedonisten und puren Kaffeegenießer ist, habe ich natürlich gerne darauf verzichtet.

Sehr gut gefallen hat mir ebenfalls, dass die Stühle alle selbst aus Leder und Holz angefertigt wurden:

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Insgesamt verbrachte ich knapp zwei Tage in dem friedlichen und beschaulichen kleinen Örtchen Pozuzo. Genügend, um Ihnen die ein oder andere erstaunliche Anekdote vermitteln zu können. Ich besuchte Pozuzo außerhalb der Hauptsaison Mitte August. Was zum einen natürlich ein Vorteil war, da mir lästiges Pauschaltouristenpack nicht weiter über den Weg lief, die Preise äußerst niedrig waren und die Ortschaft noch authentischer und originalgetreuer ausschaute. Der Nachteil war allerdings, dass die hiesigen Fremdenführer und Serviceleister aufgrund der geringen Nachfrage gar nicht erst geöffnet hatten und ich einen Großteil der Besuche der lokalen Attraktionen selbst organisieren musste. Einige der Besuchsmöglichkeiten waren hingegen gar nicht erst verfügbar.

ARCHITEKTUR, NAMEN, PRODUKTE…BIN ICH IN DEN ALPEN ODER IN DEN ANDEN?

Die Nebensaison hat natürlich immer seine Vor- und Nachteile, auch in diesem Falle. Dennoch reichten sämtlich verfügbare Attraktionen und Ziele für zwei Tage mehr als aus. Im Gegenteil, ich hätte wahrscheinlich noch wesentlich mehr Zeit in diesem skurrilen Idyll verbringen können, dass mich per Zeitreise in das Tirol des 19. Jahrhunderts zurückgebracht hat. Schauen Sie sich einmal die Architektur der Bauten in Pozuzu an, Sie werden sich verwundert die Augen reiben und mit den Ohren schlackern:

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Ich hoffe, dass ich Ihnen nicht zu viel versprochen habe. Und, dass Ihnen das gleiche Gefühl wie mir vermittelt wurde. Doch nicht genug mit dem Tiroler Häusle. Nein, denn auch die Vor- und Nachnamen der Nachfahren der ersten Kolonialisten klangen alle so wundervoll Deutsch, dass man sich eher in einer Taverne in den Alpen vermutete als im peruanischen Gebirge:

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Nun gut, aber wie schaut die lokale Bevölkerung nach fast 200 Jahren aus? Sprechen die Nachfahren noch die deutsche Sprache mit Tiroler Akzent? Werden Brauchtum und Kultur auch weiterhin gepflegt? Und natürlich die wichtigste aller Fragen: Darf ich Blondinen im Dirndl erwarten, wie es mir die folgenden Flyer versprechen?

Ich begab mich auf Spurensuche und gelangte leider bei der ein oder anderen soeben gestellten Frage leider schnell an meine Grenzen. Deutsch sprechen leider nur noch wenige Familien, natürlich hat sich die Landessprache Castellano durchgesetzt. Auch sehen Kreti und Pleti aus Pozuzo überwiegend genauso wie in anderen peruanischen Bergdörfern aus. Dennoch gibt es den ein oder anderen Familienstamm, der wesentlich mitteleuropäischer daherkommt als ich bärtiger Hassan. Ja, auch den ein oder anderen hellhäutigen Blondschopf hat es in Pozuzo, aber die Mehrheit sieht der Bevölkerung sieht dann doch eher peruanisch als österreichisch aus.

Und auch in der Grundschule wird seit einigen Jahren wieder Deutsch unterrichtet, nachdem es für mehrere Generationen im Ort brach lag. Was mir ebenfalls sehr imponierte, war die Liebe zum Detail, die auf vielen handwerklichen und lokalen Produkten sichtbar war.

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Die Menschen aus Pozuzo haben ihre Herkunft nicht vergessen und versuchen durch ihre angefertigten Kunstwerke und Waren die Tradition aufrecht zu erhalten. Ebenfalls können Sie in Pozuzo völlig deutsche/österreichische Küche bestellen, so Ihnen denn bei Ihrem Besuch irgendwann der Sinn danach steht. Hätte mir vor dieser Reise jemand weismachen wollen, dass es in Peru möglich sei, Sauerkraut mit Tiroler Rindfleischwurst zu bestellen, so hätte ich ihn gefragt, ob er nicht ganz bei Sinnen sei und aus welchem Sanatorium er denn entfloh. Und dies war nicht nur das einzige typische Gericht, das mich an meine deutsche Heimat erinnerte. Werfen Sie gerne einen Blick auf die folgende Bildergalerie:

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NATÜRLICH HAT‘S AUCH EIN EIGENES BRÄU

Doch damit nicht genug: Seit 2009 verfügt Pozuzo über eine eigene Brauerei. Bei „Dörcher-Bier“ kann man aufgrund der Produktionsmenge und Ausstattung der Anlagen nicht einmal von einer Fabrik reden, da das gesamte Nano-Areal der Brauerei selbst von der Straße aus frei einsichtlich ist. Hier wird noch alles von Hand gefertigt und man kann den Arbeitern auch bei der Produktion zuschauen, während man sich zur Verköstigung des Bräu zwischen Kessel und Abfüllanlage hinsetzt:

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Als wäre der Gesamteindruck nicht schon absurd genug, so lassen die Betreiber des Ausschankes auch noch Schlagermusik vom Allerfeinsten zum Vergnügen der Gäste aus den Lautsprechern brüllen. Da jedoch die überwältigende Mehrheit der Besucher kein Wort der deutschen Schlagermusik verstehen kann, so wissen sie nicht, wie scheußlich es für mich war, in den peruanischen Anden von Helene Fischer, Peter Wackel, Jürgen Drews und Konsorten heimgesucht zu werden. Und ich dachte, ich wäre am anderen Ende der Welt sicher vor den Ballermann-Hits. So kann man sich täuschen.

Das Bier ist ob des unmittelbaren Ausschankes natürlich spottbillig. So zahlte ich für einen Liter Dörcher-Pils lediglich 14 peruanische Soles, was lediglich 3,30€ nach aktuellem Umrechnungskurs repräsentiert. Damit nicht genug: Das Bier schmeckte erfrischend und angenehm leicht. Völlig anders also als die nationalen Biermarken Cristal, Cusqueña oder Pilsen.

Darüber hinaus bietet Dörcher mit dem Coca-Bier ein wohl ebenfalls einzigartiges Bier an. Sofern Sie nun dem falschen Glauben aufgesessen sind, dass ich mit dem Konsum dieses Bieres mir ebenfalls Kokain einverleibte, so darf ich sie beruhigen. Das Coca-Extrakt, das dem Bier beigemengt wurde, hat rein gar nichts mit der chemisch kristallinen Enddroge zu tun. Nur, damit das mal klar gestellt wurde, mein lieber Verschwörungstheoretiker!

UND WAS DIE KINDER AUS POZUZO ERST AUS DEN ALTEN AUTOREIFEN BASTELN…

Was mir ebenfalls äußerst gut gefallen hat, war die Kreativität der Bewohner. So durfte ich beispielsweise bestaunen, mit welch schöner Fantasie dort alte Autoreifen wiederverwendet werden, um das Städtle dekorativ aufzuhübschen.

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…todo que puedes hacer de viejas llantas si tienes bastante fantasía. . …what you all can make out of old tires if you have enough fantasy. . 1. Elefante 🐘 (Chontabamba) 2. Zebra 🦓 (Pozuzo) 3. Giraffe 🦒 (Pozuzo) 4. Tortuga 🐢 (Pozuzo) 5. Abeja 🐝 (Pozuzo) 6. Vaca 🐄 (Prusia) 7. Abuela 👵🏼 (Prusia) 8. Cisne 🦆 (Prusia) 9. Tucán 🐧 (Prusia) 10. Loro 🐤 (Prusia) . #peru #🇵🇪 #Oxapampa #Pasco #chontabamba #pozuzo #prusia #neumático #llanta #rueda #reifen #tire #tyre #band #banden #innovación #innovativo #innovation #innovative #innovativ #imaginativo #imaginative #kreativ #creativesolution #creative #creativo #designthinking #design #recycling #reciclar

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Anstatt jene Autoreifen irgendwo wild und illegal entsorgt werden, so fand sich dafür glücklicherweise noch ein weiterer Verwendungszweck. Und da die Mehrheit dieser Expositionen auf den Grünflächen vor Kindergärten und Schulen zu finden waren, so erfreut es mich umso mehr, dass den Sprösslingen ein innovativer Recycling-Ansatz und bewusster Umgang mit der Natur schon im Kindesalter gelehrt wird.

IN POZUZO ROLLT DIE MÜLLABFUHR MIT VOLKSMUSIK DURCH DIE STRAßEN

Was halten Sie von einem anderen kreativen Lösungsansatz: Wie wäre es, wenn die Trucks der Müllabfuhr Ihres Örtchens angenehme Musik während der Verrichtung der Arbeit spielen würde? Ich traute meinen Ohren kaum, als ich den Müllmännern von Pozuzo bei ihrer Arbeit zusehen durfte:

Da dudelte aus den Lautsprechern des LKW allerfröhlichste Musik vor sich her und beschallte die Straßen. Was ich zugegebenermaßen für eine geniale Maßnahme halte, da so einerseits weit im Voraus die Ankunft des Entsorgungsbetriebs angekündigt und der Anwohner noch rasch seine Abfälle auf die Straße zur Abholung platzieren kann, bevor es zu spät ist. Andererseits passte auch diese Art der instrumentalen Musik zum Gesamtbild der Lage und niemand in dem friedlichen Örtchen störte sich daran, von Akkordeonklängen besänftigen zu lassen.

Nun muss ich Ihnen aber dennoch die gestellte Frage eingangs dieses Abschnittes selbst beantworten. In Deutschland wäre es wahrscheinlich schon aufgrund der Parasiten von der GEMA gar nicht erst möglich, öffentlich Musik gebührenfrei laufen zu lassen. Und ob der Anwohner nun noch mehr Gebühren für den Abtransportes seines Abfalles berappen möchte, als er ohnehin schon muss? Schwer vorstellbar, zumal es dann wahrscheinlich ebenfalls ein paar übersensible Verrückte geben wird, die sich an ein bisschen Musik in den Straßen gestört fühlen würden und wahrscheinlich Wutbriefe und Beschwerdeanrufe an Stadtverwaltung, respektive Müllentsorger richten. In Deutschland wäre so etwas leider nicht möglich und durchsetzbar.

SELBST DIE FRIEDHÖFE RUNGEN MIR BEWUNDERUNG AB

Wahrscheinlich ebenfalls nicht durchsetzbar in Deutschland wäre ein Bestattungsort wie der Friedhof ‚Cemeterio Los Colones‘, der zunächst einmal den Besucher wie folgt empfängt:

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So weit so gut. Wirklich anders hingegen ist die Parzelle, in der der Verstorbene bis in alle Ewigkeit ruhen wird. Wo in unserem mitteleuropäischen Kulturkreis in einem gewöhnlichen Grab nebst steinernem Kreuz ein Blumenbeet samt Gewächsen erwartet, so haben sich die verstorbenen Pozuziner folgend unter die Erde bringen lassen:

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Am Kreuz gibt es natürlich auch am Friedhof ‚Cemeterio Los Colones‘ kein Vorbeikommen, allerdings sind diese hier entweder aus Metall gegossen und auf einem kleinen Felsen positioniert, oder aber aus weißem Kalkstein geformt. Dennoch enthalten die Kreuze zur Identifizierung der Toten eine eingravierte Inschrift. Sowohl auf ein Blumenbeet, als auch auf überflüssigen Grabschmuck wie Schreine, Leuchten oder Kerzen wird gänzlich verzichtet. Hingegen die Pozuziner lieber hochwachsende Palmen in roter Farbe gedeihen lassen und das eine oder andere Grab auch mit Blumengewächsen schmücken. Das halte ich nicht nur für einen optischen Vorteil als die strenge und rigide Anordnung in flachen Gräbern in Mitteleuropa. Sondern hiermit wird ebenfalls symbolisiert, dass aus der Asche des Leichnams noch etwas großes und prunkvolles emporwachsen kann. Ein toller Einfall!

DAS MUSEUM SCHAFFERER GIBT EINEN AUTHENTISCHEN EINBLICK IN DIE STADTGESCHICHTE

Gleich neben dem antiken Friedhof findet sich das Museum Schafferer, an dem ebenfalls kein Vorbeikommen ist.

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Wer dieses Museum warum auch immer während seines Aufenthaltes in Pozuzo nicht besuchen kann, der wird nicht nur etwas verpassen, sondern dem wird auch ein stückweit essentielle Historie zum besseren Verständnis über die Entstehung des Ortes Pozuzo sowie der Motivation der damaligen österreichischen Aussiedler aus Tirol nicht bekannt. Für lächerlich geringe 3 peruanische Soles (0,70€) gewährt einem das Museum Schafferer täglich bis zu acht Stunden den Eintritt.

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Leider waren keine fotografischen Aufnahmen während des Museumsbesuches gestattet. Vielleicht war das aber auch gar nicht mal so schlecht, denn sonst hätte ich jedes Exponat einzeln fotografiert und hier mühselig hochladen müssen. Möglicherweise ist es deshalb ganz gut, nicht unbedingt alles vorzeigen zu müssen.

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Im Garten des Museums Schafferer befindet sich ein ca. 25 Meter hoher Baum, auf dem die beheimateten Vögel ihre Nester gebaut haben und den lieben langen Tag nichts anderes tun als vor sich hinzuflattern und zu singen:

Der Klang der geträllerten Melodie war für mich ebenso exotisch wie der Vogel selbst. Doch haben Sie etwas bemerkt? Außer den Vögeln selbst hört man rein gar keine anderen Geräusche in diesem Video. Keine Stimmen, keine Motorengeräusche, rein gar nichts was einen Besucher stören könnte. So oder so ähnlich stelle ich mir das Paradies auf Erden vor. Und das Museum Schafferer befindet sich auf einer der beiden „Hauptstraßen“ von Pozuzo, wie Sie auf dem einleitenden Bildausschnitt von Google Maps sehen konnten. Allerspätestens jetzt können Sie sich vorstellen, wie idyllisch die Ortschaft ist und wie niedrig die Geräuschbelastung.

ROT, GELB, VIOLETT, BLAU, ETC. – EINMAL DAS GESAMTE FLORALE FARBSPEKTRUM UND ZURÜCK

Die Erde ist fruchtbar in Pozuzo und das war seinerzeit einer der Hauptgründe, weshalb die Kolonialisten sich auf den Weg in ihre neue Heimat machten. Sie fanden zwar überwiegend Urwald und Gestein im noch unberührten Tal vor, dennoch bot ihnen diese fruchtbare Erde viele wunderschöne Pflanzen endemischer Art an. Einige davon können Sie mit Ihrem grünen Daumen nun in der folgenden Bildergalerie bestaunen:

Das ein oder andere Exemplar hat mich nicht nur aufgrund seiner satten Farben angelockt, sondern ebenfalls wegen seiner ungewöhnlichen Form  oder Konstitution. Man möge es mir bitte nachsehen, falls ich außer der reinen Bebilderung keine weiteren Informationen zu der jeweiligen Blume liefern kann. Botanik gehört leider nicht zu meinen Fachkenntnissen und ich kann lediglich schön und interessant von häßlich und langweilig unterscheiden:

Aber da geht es mir wahrscheinlich wie 99% aller Leser dieses Artikels. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass dies nur einen kleinen Teil der endemischen Pflanzenwelt von Pozuzo widerspiegelt. Jedoch habe ich mir allergrößte Mühe gegeben, um die wundersamsten und schönsten Exemplare hier abbilden zu können.

DIE ELEGANZ DES RATHAUSPLATZES VON POZUZO LÄSST ALLE BISHER BEKANNTEN PLÄTZE ERBLASSEN

Über den geringen motorisierten Verkehr in Pozuzo habe ich ja bereits anfangs geschrieben. Befinden Sie sich allerdings auf dem Rathausplatz – und damit exakt zwischen den beiden „Hauptstraßen“, dann hören Sie womöglich außer dem Rauschen des Wassers nicht einmal die nahen Motorengeräusche. Das Rauschen des Wassers vernehmen Sie dem beeindruckenden Bauwerk einer Wassermühle…

 

…und eines Brunnens, der Wasser aus mehreren Metern Höhe auf den Boden plätschern lässt:

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Die Kinder, die dort an dem Bauwerk spielen und klettern, finden Sie übrigens überall in der Stadt, für Nachwuchs ist also bereits mehr als gesorgt. Sie müssen dann schon bis zum Einbruch der Dunkelheit und damit der Schlafenszeit für die Blagen warten, bis Ihnen Fotoaufnahmen am Rathausplatz wie das folgende Exemplar gelingen werden:

Als wäre das alles nicht schon pittoresk genug, so haben die Pozuziner auf ihrem Rathausplatz auch ein überdimensionales Schiff gebaut und aufgestellt:

Ich glaube, es geht Ihnen so langsam auf den Geist, wenn ich mich wiederhole und auch diesmal sagen muss, dass ich bei diesem Anblick aus dem Staunen kaum rauskam. Ein Schiff. SCHIFF! Inmitten des Rathausplatzes. Was gleichzeitig ein astreiner Abenteuerspielplatz für den Pozuziner Nachwuchs ist, soll jedoch eine Hommage an das Transportmittel sein, mit dem die Vorfahren die lange und beschwerliche Überfahrt über den großen Teich gewagt haben.

Sehr detailverliebt kam das Schiff daher, denn es verfügte ebenfalls über ein Steuerrad, das mich regelrecht zum Schabernack aufforderte:

Ebenfalls säumten nebst mehrerer hübsch angelegter kleiner Grünflächen mit Bepflanzungen auch einige Statuen den Rathausplatz. Über die Schönheit dieser Statuen lässt sich diesmal streiten, sie sollen aber wohl die verschiedenen Kulturen und Ursprünge der Bewohner repräsentieren:

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…auch eine kleine Kapelle mit einem Schrein ist zu sehen.

EIN BEZAUBERNDER WANDERWEG MIT EINIGEN KURIOSEN HINDERNISSEN

Um ein bisschen die Umgebung kennen zu lernen, ging ich mit Pierina auf Wanderung in das Umland von Pozuzo. Das lokale Tourismusbüro, das als Holzhütte ebenfalls auf dem idyllischen Rathausplatz gelegen ist, empfahl uns, einer Route durch die Wälder zu folgen, bei der man an einem weiteren historischen Museum ankommt. So etwas lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen und schon waren die Schuhe geschnürt und der Wanderlust gefrönt.

Der Start der Wandertour war die Hängebrücke „Puente Emperador Guillermo I“, die im Jahre 1877 konstruiert wurde. Keine Sorge: Falls Sie beim TÜV arbeiten, darf ich Sie sofort beruhigen. Die Hängebrücke wurde  116 Jahre nach ihrer Fertigstellung im Jahre 1993 rekonstruiert. Obwohl die Hängebrücke nur für maximal 5 Personen zum gleichzeitigen Betreten bestimmt ist, habe ich meine eigene TÜV-Prüfung vorgenommen und die Gerätschaft den ein oder anderen Stresstest ausgesetzt:

Da nun also sicher war, dass nichts Schlimmes mehr passieren konnte, eignete sich die Brücke als willkommenes Fotoobjekt zum Posieren:

 

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Weiter ging es auf dem schönen Wanderweg, der die ein oder andere naturgegebene Schwierigkeitsschikane bereit hielt. So rammte ich mir beispielsweise den Schädel an einem zu flach hängenden Ast. Eine weitere Schikane war hingegen tierischer Natur.

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Auf dem Weg zum zuvor bereits beschriebenen Museum gab es eine Abzweigung, die zu einer Kapelle und einem Aussichtspunkt führte. Dieser Trampelpfad war an vielen Stellen mit riesigen Kothaufen gesäumt und man musste sich teils aufmerksam in Acht nehmen, dass man dort nicht hereinspazierte:

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Dies glückte mir zwar und meine Schuhe blieben kotfrei. Nicht auszudenken, wenn sich das schöne Gelb meiner Schuhe in matschiges Braun verwandelt hätte. Allerdings war der Weg zur Kapelle/Aussichtspunkt leider vom Produzenten und Vertreiber der Scheiße blockiert. Vier aufmerksame Zuchtbullen sonnten sich liegend auf dem Pfad und versperrten den Weg zum Gatter, der weiterhin zur Kapelle geführt hätte. Als wäre das nicht schon bedrohlich genug, raffte sich der hellbraune Bulle auch noch aus seiner bequemen Feierabendposition unter der Sonne auf:

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Nachdem ich (auf Spanisch) mit Engelszungen auf das wilde Vieh einredete, dass ich nur in friedlicher Absicht gekommen sei, gelang es mir zwar, an Exemplar Nummer Eins an der linken Seite vorbeizuschleichen.

Jedoch stand nach der Überwindung des ersten tierischen Hindernis sofort der schwarze Bulle auf. Dieser war nicht so leicht zu überlisten und zeigte mir mit seiner ganzen Flanke, wer Herr im Hause ist:

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Die Genitalgröße ist beeindruckend, aber bei seiner Fellfarbe dennoch selbsterklärend. Um keinen Streit mit den wütenden Zuchtbullen vorm Zaun zu brechen, kehrte ich lieber um und verzichtete auf den Besuch in der Kapelle. Sehr schade eigentlich, aber das Risiko aufgespießt zu werden war es mir nicht wert.

Die Bewanderung des Trampelpfades dauerte länger als gedacht, dennoch gab es noch einige tolle Dinge zu sehen und zu erleben. Wie beispielsweise den Genuss von frischem Quellwasser:

Oder aber das eine…

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…oder andere wunderschöne Rieseninsekt:

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Aber nicht nur Insekten gab es auf dem Pfad zu entdecken. Nein, wir entdeckten ebenfalls eine riesengroße aus Holz gezimmerte Waldhütte:

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Auch hier sah ich wieder eine schöne Wassermühle, die jedem Besucher das Herz höher schlagen lässt:

Der Bewohner dieses forstlichen Anwesens hieß Roland, von dem ich allerdings keine Fotoaufnahme machte. Er war sehr freundlich und gestattete uns, einige Zeit auf seinem Gut zu verweilen. Und das taten wir auch, weil Roland zwei tollkühne Welpen hatte, die die Welt erkunden und die ganze Zeit spielen wollten:

Egal, in welche Richtung ich mich bewegte, die beiden Hundis folgten mir auf Schritt und Tritt. Nun dachte ich mir, drehe ich mal den Spieß um und verfolge sie beide:

Es war einfach nur ein toller Moment mit den beiden jungen Hunden. Dennoch wollte ich aber keine große Zeit verlieren und lies die Hundis Hundis sein. Es galt schließlich noch, ein Museum zu besuchen.

DAS MUSEUM EGG VOGT BIETET AUTHENTISCHE EINBLICKE IN DAS LEBEN DER ERSTEN SIEDLER

Schließlich erreichten wir das Museum Egg Vogt.

Der Museumsleiter Helmut Antonio Egg Vogt empfing uns barfuß und in einer völlig entspannten und freundlichen Art und Weise:

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Entweder Helmut ist von Natur aus gerne redselig, oder aber es kommen grundsätzlich nicht viele Besucher in der Nebensaison zum Quatschen vorbei. Mit stolz geschwellter Brust erzählte er mir von den Strapazen seiner Vorfahren und wie diese sich schließlich mithilfe von allerlei schwerem Handwerksgerät den Weg durch die subtropischen Wälder bahnten. Obschon Helmut über einen urdeutschen Vor- und Nachnamen verfügt, so spricht er leider kein Deutsch, sondern nur Castellano. Er hat sich lediglich die deutschen Vokabeln der Handwerksgeräte gemerkt, für die es keine adäquate Übersetzung in seine Muttersprache gab. So kennt er zwar Wörter wie „Spätzle“, „Sichel“ und „Sense“, konnte aber leider keine ganze Konversation mit mir auf Deutsch führen. Für 3 Soles (0.75€) redete er aber knapp eine 3/4-Stunde ununterbrochen wie ein Wasserfall und vermittelte mir mit einem stolzen und selbstbewussten Eindruck jedes einzelne Ausstellungsstück persönlich.

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Ebenfalls hält Helmut einen liebesbedürftigen deutschen Schäferhund namens Jack:

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Jack jaulte fast ununterbrochen, weil er sich so über unseren Besuch gefreut hatte und verlangte fast pausenlos Streicheleinheiten, ohne aber ein einziges Mal zu bellen. Sehr gut erzogen also und ein toller Hund ganz nebenbei. Die beiden kleinen Baby-Katzen müssen sich jedoch erst an seine wilde und liebenswürdige Art und Weise gewöhnen. Rein instinktiv gehen sie mit einem Buckel in den Defensivmodus, sofern sich der Hund ihnen nähert. Völlig unverständlich, denn der will doch nur spielen!

Zum Abschied kaufte ich noch eine seiner selbst hergestellten „Cremolada de Cocona“.

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Cremolada ist eine eisige Erfrischung ähnlich eines Speiseeises, jedoch nicht auf Milchbasis. So löscht es besser den Durst bei heißen Temperaturen. Cocona ist eine für die Region typische Frucht und schmeckte wie viele andere Früchte exotisch.

NATUR SATTER ALS SATT

Auch auf dem Rückweg ins Städtle Pozuzo gab es schier unbegrenzte grüne Natur zu sehen. Es gelang mir beispielsweise, von einem freigelegenen Aussichtspunkt einen kleinen Panoramablick über Pozuzo zu filmen:

Die 20 Megapixel-Kamera des Huawei-Mobiltelefons von Pierina ist in der Lage, gestochen scharfe Bilder zu schießen. Jedenfalls gelingen wesentlich bessere Aufnahmen als mit meinem eigenen iPhone 7. Und das nutze die junge Dame auch schamlos in versteckter Manier aus, insbesondere wenn ich wie so oft vorausmarschiert bin. Derweil ich die Vorhut unserer zweiköpfigen Gruppe bildete, so machte sie versteckt die eine oder andere Aufnahme von mir, als Specki sich den Berg hochmühte:

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DER WALD UND DAS ZICKLEIN

Wieder zurückgekehrt an der Brücke „Emperador Guillermo I“ besuchten wir das anliegende Geschäft ‚Der Wald‘, das mit allerlei selbstgefertigten Holzartikeln, Webstoffen und Verzehrprodukten aufwartet. Ich war auf der Suche nach einem ganz bestimmten T-Shirt Design, das ich einmal von einem Mann in Oxapampa getragen und ein anderes Mal in Pozuzo von einem anderen Mann getragen sah. Jedoch gelang es mir zuvor nicht, das Design in den umliegenden Souvenirshops aufzuspüren. Nun aber war es soweit und ich konnte ein weißes Exemplar mit der Aufschrift „Pozuzo ist einzigartig“ in schönem und traditionellem altdeutschem Schrifttyp ergattern:

Ganz nebenbei wohnten auch viele tierische Bewohner in ‚Der Wald‘, unter anderem viele junge Katzen und Hunde. Wahrlich eine kleine Attraktion hingegen war das kleine Zicklein, das ich im Arm halten durfte:

Mein schwarzer Gesichtspelz war nicht annähernd so weich wie das weiße Fell des Zickleins. Da es aber nicht länger von mir im Arm gewogen werden wollte, ließ ich es wieder laufen. Woraufhin es Interesse an meinem abgestellten Rucksack und der Sonnenbrille zeigte, dann sich aber in Richtung Holzhütte verabschiedete:

RECREO GUACAMAYO: WASSERFÄLLE UND FLUSSLÄUFE

Nahe an Pozuzo gelegen befindet sich ein kleines Wassergebiet, dass dennoch genügend Raum zum Schwimmen und Platschen bietet. Amüsant allerdings, dass die Einwohner es als ‚Poza Natural‘ (Natürliche Pfütze) bezeichnen. Nun, der Eintritt betrug 6 Soles (1.25€) und bot drei verschiedene Gelegenheiten, das kühle Nass zu genießen.

Zum einen gab es da den Wasserfall, unter den man sich stellen konnte. Das eiskalte Wasser peitschte dann regelrecht vertikal auf meinen Rücken herab und massierte meinen Nacken in etwa wie Trommelstöcke das Schlagzeug. Mal wieder eine dieser Mutproben, die aus Neugierde entstanden. Wer gerade keine Lust hat, sein Leben während des Urlaubs zu riskieren, der kann ebenfalls in den beiden natürlichen Pfützen im Wasser plantschen. Auch hier gelangen mir ein paar ganz gute Screenshots und Videosequenzen:

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Auch sehr riskant war natürlich diese Tarzan-Aktion, sich mit einer Liane ins flache Wasser fallen zu lassen:

…und das ganze dann natürlich noch einmal zu wiederholen:

Aber was wäre das Leben schon ohne Risiko?

WER GERNE DIE PREUßEN BESUCHEN MÖCHTE…

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…der kann das natürlich jederzeit tun! Keine vier Kilometer entfernt von Pozuzo befindet sich das noch viel kleinere Dörfchen Prusia (lat. für Preußen), das mindestens mit dem gleichen Charme daherkommt wie das größere Pozuzo. Besonders interessant fand ich die Kirche:

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Und noch viel interessanter als die Kirche war ihr Kirchturm…

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…denn dieser befand sich circa 10 Meter vom eigentlichen Kirchengebäude entfernt und hat mich zum Nachgrübeln angeregt. Ich konnte mich nämlich an keine andere Kirche erinnern, in der der Kirchturm nicht direkt am selbigen Gebäude verbaut wurde. Grundsätzlich symbolisiert er doch auch immer den höchsten Punkt einer Ortschaft, sodass man die Kirche schon aus weiter Entfernung sehen und beim Glockenschlag auch hören kann. Aber Prusia ist so klein, da benötigt es kein Glockenläuten. Ein einfacher Ausrufer mit schriller Stimme reicht am Sonntagvormittag völlig aus, um sämtliche Einwohner des Dorfes zu erreichen.

In einem lokalen Markt habe ich dann noch das hier filmen können und war höchst erstaunt:

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Das ist weder ein Trick von mir durch Nachbearbeitung des Fotos mit Photoshop, noch wurden die Eier angemalt. Einige waren einfach von Natur aus grün! Und ich dachte, dass ich bereits alles im Leben gesehen hätte. Aber ich habe mich scheinbar getäuscht!

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Dieses hölzerne Werk hing an einer ebenso hölzernen Tür. Dort steht geschrieben:

“Este hogar es católico. No aceptamos propagandas differentes a nuestra fé. Gracias por su comprensión.”

Das heißt übersetzt wie folgt:

“Dieses Haus ist katholisch. Wir akzeptieren keine anderen Werbungen an unseren Glauben. Vielen Dank für Ihr Verständnis.”

Ich bin weiß Gott nicht religiös eingestimmt, finde aber eine solche Einstellung großartig. So schlägt man lästigen Hausierern wie den Zeugen Jehovas von Vornherein die Tür zu. Oder gar wesentlich feindlicheren religiösen Überzeugungen aus Vorderasien. Wobei ich mir auch diesmal kaum vorstellen kann, dass sich irgendwelche Bekehrer oder Belehrer auf einen solch weiten Weg überhaupt machen würden, um Wurfsendungen in die nicht vorhandenen Briefkästen zu schmeißen oder die Bewohner gar persönlich an der Tür belästigen. Aber wenn man schon ein solches Schild überhaupt aufhängt, dann muss es dafür ja einen Grund geben oder es in der Vergangenheit ja schon gewisse Vorkommnisse dieser Art gegeben haben.

Die Leute aus diesen Dörfern verdanken ihren Glauben der uralten Traditionen ihrer Vorfahren und haben in sehr fleißiger Manier einen bezaubernden und friedvollen Ort aus dem Boden gestampft. Warum also das alles auf’s Spiel für einen anderen Glauben setzen?

KANN ICH BITTE HIER WOHNEN?

Die Frage, die sich mir immer wieder stellte, war, weshalb ich so viel Zeit im grauen und urbanen Lima verbracht habe und so wenig außerhalb in den reichhaltigen Naturgebieten. Leider konnte ich mir diese Frage selbst nicht beantworten, dafür aber eine andere.
Kam Ihnen tatsächlich schon einmal der Gedanke während eines Ihrer Urlaube auf, dass sie am allerliebsten dortbleiben und wohnen würden? Möglicherweise nur, dass Sie gerne Ihren Urlaub um ein paar Tage verlängern würden, weil Sie nicht wieder in Ihren Alltagstrott zurückkehren möchten, wo reihenweise Verpflichtungen Ihr Leben bestimmen.

Ich habe ebenfalls schon eine Menge von Europa und Südamerika gesehen und viele unterschiedliche Kulturen kennen gelernt. Auch ich hatte öfter schon dieses kurzfristige Verlangen, dass ich ein wenig länger im jeweiligen Urlaubs- oder Reiseziel verweilen wollte. Niemals jedoch konnte ich mir zuvor ernsthaft ein Leben in einer besuchten Region vorstellen. In Pozuzo kam mir dieser ernsthafte Gedanke zum allerersten Mal in meinem Leben auf. Denn hier gibt es keinen lärmenden Verkehr, keine gesundheitsschädlichen Abgase durch Fabriken oder Autos, keine Kriminalität, kein ernsthaftes Chaos oder Zeitdruck wie im Rest der peruanischen Städte. Wohingegen man Ruhe und Balance und ein angenehmes und mildes Klima in einer friedvollen und ausgeglichenen Gemeinde vorfinden kann. Ich habe in ganz Peru nirgends so freundliche und höfliche Menschen gesehen, die einander bei jeder Begegnung proaktiv grüßen. Auch daran musste ich mich als Städter erst einmal wieder gewöhnen, da ich es nirgendwo sonst in all meiner Zeit in Peru sah. Pozuzo ist wie ein vergessenes idyllisches Paradies, in dem man seinen Frieden finden kann. Ich bin ebenfalls überzeugt, dass man dank des Tourismus auch wirtschaftlich mit der ein oder anderen innovativen Idee erfolgreich sein kann. Also: Kann ich bitte hier wohnen und leben?

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Dieser Wunsch wurde natürlich auf der Rückreise mit dem Reisebus verstärkt, als ich in Lima am Samstagmorgen ankam und Folgendes vorfand:

Stimmen Sie mir nun bitte zu, wenn ich behaupten werde:

Pozuzo ist einzigartig!

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