5 Gründe nach Santo Domingo auszuwandern und 5 Gründe dort nicht zu leben

1. Grund um nicht in Santo Domingo zu leben

Die schlimmste Verkehrssituation in ganz Lateinamerika

Advertisements

Ich muss zugeben, dass ich etwas lachen musste bei diesem Grund. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu empfindlich oder hasse ganz einfach die lateinamerikanischen Stadtarchitekten für das, was sie vielen Städten in ihren Ländern angetan haben. Aber weder in der Megastadt Lima noch im hügeligen Quito habe ich derart unter dieser schieren Menge plus zusätzlichem Zeitverlust durch Verkehrsstaus gelitten wie in Santo Domingo.

Am Verkehr in Santo Domingo teilzunehmen ist nichts weiter als ein mutiges Glücksspiel á la Russisch Roulette. Völlig egal, ob ich selber ein Fahrzeug lenke, Beifahrer bin oder mich lediglich als Fußgänger fortbewege – Auf den Straßen von Santo Domingo lebt es sich mit einer ständigen Ungewissheit, dass irgendetwas geschehen könnte. Ohne volle Konzentration wird man dann schon mal schnell Zeuge eines Unfalls oder ist selber daran beteiligt.

Der Verkehr auf Santo Domingos Straßen ist ein einziges Chaos

Einige Dominikaner haben mir mal erzählt, dass Santo Domingo die Stadt in Lateinamerika mit der höchsten Fahrzeugdichte pro Quadratkilometer und pro Kopf sei. Ich habe dafür leider keinen Beweis in Onlinequellen finden können, aber auch keinen Gegenbeweis dafür.

Allerdings kann ich bestätigen, dass die Verkehrsdichte in Santo Domingo krankhaft und abnormal hoch ist. Selbst die Familie meiner Freundin verfügt über 5 (!) funktionierende Fahrzeuge – Obwohl sie nur mit 4 Personen im Haushalt leben.

Neben völlig rücksichtslosen und egoistischen Fahrern in der Hauptstadt der Dominikanischen Republik gibt es noch viele andere zweifelhafte Verkehrsteilnehmer, die den täglichen Verkehrswahnsinn auf den Straßen von Santo Domingo zu einer wahren Herausforderung machen.






Das sind absolut zufällige Geschehnisse auf den Straßen in Santo Domingo. All diese Leute haben natürlich Ihren persönlichen Grund und die Motivation, dass sie sich so im Verkehr verhalten, wie sie sich verhalten. Aber mit dieser egoistischen Weise wie sie es tun beeinflussen sie natürlich der Straßenverkehr für alle Teilnehmer und erzeugen höchst gefährliche Situationen.

Ungefähr 3.000 Personen sterben jährlich auf den Straßen der Dominikanischen Republik durch Verkehrsunfälle. Meist natürlich durch eigene Fahrfehler. 63% aller Todesfälle sind Motorradfahrer. Ich habe selber oft genug gesehen, wie irgendwelche Knaben samt ihren Motorbikes mit Wheelies in höchster Geschwindigkeit über die Straßen gebrettert sind, um private Videoaufnahmen, Mutproben oder ein Mädchen zu beeindrucken.

Insgesamt hat Santo Domingo allerdings den absolut schlimmsten Verkehr und Stau, den ich in meinem ganzen Leben sehen durfte. Möchtest Du mal ein ganz normales Video im Feierabendverkehr sehen?


Eine der am schlimmsten verstopften Straßen in Santo Domingo

Gründe für diese erschreckend lange und zeitfressende Verkehrssituation sind vielseitiger Natur:

  • Der Erwerb des Führerscheins kann wortwörtlich verstanden werden: Dominikaner kaufen ihren Lappen ohne ernsthafte Vorbereitung
  • Die Fahrer sind nicht trainiert oder erfahren, wenn sie ein Auto steuern
  • UBER und andere digitale Fahrdienste motivieren (natürlich) viele Leute, im Staßenverkehr den ganzen Tag Geld zu verdienen
  • Alle Lieferservices mit Motorrädern oder Rollern kommen auch noch hinzu
  • Es gibt mit zwei Metrolinien nur begrenzte unterirdische Alternativen

Nun könnte ja vermutet werden, dass der öffentliche Nahverkehr eine gute Alternative darstellt, um den Straßenverkehr ein wenig zu entlasten?

“Der öffentliche Nahverkehr im Großraum von Santo Domingo ist einer der schlechtesten in Lateinamerika und die Entwicklung kann mit einigen der ärmsten Ländern Afrikas verglichen werden. Chaos dominiert die Straßen und völlige Blockaden auf Kreuzungen sind wegen der hohen Zahl an privaten Fahrzeugen normal. Der öffentliche Nahverkehr wird meist in Bussen mit unbequemen Konditionen ausgetragen.”

Public Transport and Urban Mobility in Greater Santo Domingo: Challenges of a Social Policy for Inclusion and Equity (2017)

Der öffentliche Nahverkehr ist aber keine neue Sache, sondern schon lange genutzt. Wenn die Dominikaner in Santo Domingo sich kein Auto leisten können, dann…

  • …vertrauen sie auf ein sogenanntes ‘Carro Publico‘, welches nicht mehr als ein normales Auto im Straßenverkehr darstellt und bei jeder sich bietenden Möglichkeit Passagiere am diesen ein- und aussteigen lässt. Die Kosten sind relativ gering (0.25 DOP = 0,42 EUR) und Du kannst eine ziemlich lange Strecke mit diesen Autos zurücklegen, bevor sie Dich erneut zur Kasse bitten. Diese ‘Carro Publicos’ sind natürlich auf den maximalen Umsatz bei geringst möglichem Komfort und Sicherheit für den Passagier aus. So kann es geschehen, dass schon mal bis zu 10 Fahrgäste sich in ein einziges Auto quetschen. Hinzu kommt, dass sie natürlich furchtbar langsam und gefährliche Manöver fahren, um jeden Fahrgast am Straßenrand aufzusammeln und blockieren so immer mal wieder den Straßenverkehr. Insbesondere bei Nacht sind diese Fahrzeuge zumeist unmarkiert ohne Nummernschild unterwegs und reine Glückssache. Wer kein Opfer von Kriminalität werden will, verlässt sich lieber auf andere Verkehrsmittel.
  • …nutzen sie den Soziussitz auf sogenannten ‘Motoconchos‘. Das ist der schnellste und günstigste Weg um ans gewünschte Ziel zu gelangen. Oder auch direkt zum Friedhof, da diese Motorradfahrer jegliche Verkehrsregeln aushebeln und viel zu schnell ohne Helm fahren.
  • …nehmen öffentliche Busse. Diese sind zumeist modern und geräumig gebaut und bieten mehr Sitzplätze als andere Verkehrsmittel auf der Straße. Die meisten öffentlichen Busse haben sogar eine Klimaanlage, sind aber auch viel teurer und haben sehr eingeschränkte Fahrnetze.
  • …gebrauchen den privaten Bus. Diese kleinen Mikrobusse sind zumeist in katastrophalen Sicherheitszuständen und mit ihrem mehr als rücksichtslosen Fahrverhalten und der Konkurrenzsituation auf dem Transportmarkt verantwortlich für viele Unfälle auf den Straßen von Santo Domingo. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Busse wortwörtlich überall anhalten und manchmal sogar auf der Straße anhalten, um Passagiere aufzugabeln oder aussteigen zu lassen.
  • …nutzen als Alternative das Fahrnetz der unterirdischen Metro. Es gibt aber nur 2 Linien und insgesamt wenige Haltestellen in Santo Domingo. Ich habe einmal die Metro genutzt und auch diese Transportalternative war völlig überfüllt. Preise sind jedoch ebenfalls relativ erschwinglich.

Und Santo Domingo wächst stetig. Wenn die Dominikaner aber schon in den letzten Dekaden ihre Stadt nicht auf die modernen Zeiten vorbereiten konnten, wie wird es dann erst in einigen Jahren oder Dekaden ausschauen? Ich mag mir das wirklich nicht vorstellen…

Nächste Seite: Versuch erst gar nicht, dass Dominikanische Spanisch zu verstehen

One Comment Add yours

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.