Pozuzo in Peru – Wenn die Alpen auf die Anden treffen

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IN POZUZO ROLLT DIE MÜLLABFUHR MIT VOLKSMUSIK DURCH DIE STRAßEN

Was halten Sie von einem anderen kreativen Lösungsansatz: Wie wäre es, wenn die Trucks der Müllabfuhr Ihres Örtchens angenehme Musik während der Verrichtung der Arbeit spielen würde? Ich traute meinen Ohren kaum, als ich den Müllmännern von Pozuzo bei ihrer Arbeit zusehen durfte:



Da dudelte aus den Lautsprechern des LKW allerfröhlichste Musik vor sich her und beschallte die Straßen. Was ich zugegebenermaßen für eine geniale Maßnahme halte, da so einerseits weit im Voraus die Ankunft des Entsorgungsbetriebs angekündigt und der Anwohner noch rasch seine Abfälle auf die Straße zur Abholung platzieren kann, bevor es zu spät ist. Andererseits passte auch diese Art der instrumentalen Musik zum Gesamtbild der Lage und niemand in dem friedlichen Örtchen störte sich daran, von Akkordeonklängen besänftigen zu lassen.

Nun muss ich Ihnen aber dennoch die gestellte Frage eingangs dieses Abschnittes selbst beantworten. In Österreich wäre es wahrscheinlich schon aufgrund dieser Parasiten von der GEMA gar nicht erst möglich, öffentlich Musik gebührenfrei laufen zu lassen. Und ob der Anwohner nun noch mehr Gebühren für den Abtransportes seines Abfalles berappen möchte, als er ohnehin schon muss?

Schwer vorstellbar, zumal es dann wahrscheinlich ebenfalls ein paar übersensible Verrückte geben wird, die sich an ein bisschen Musik in den Straßen gestört fühlen würden und wahrscheinlich Wutbriefe und Beschwerdeanrufe an Stadtverwaltung, respektive Müllentsorger richten. In Österreich oder Deutschland wäre so etwas leider nicht möglich und durchsetzbar.

SELBST DIE FRIEDHÖFE RUNGEN MIR BEWUNDERUNG AB

Wahrscheinlich ebenfalls nicht durchsetzbar in Deutschland wäre ein Bestattungsort wie der Friedhof ‚Cemeterio Los Colones‘, der zunächst einmal den Besucher wie folgt empfängt:


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So weit so gut. Wirklich anders hingegen ist die Parzelle, in der der Verstorbene bis in alle Ewigkeit ruhen wird. Wo in unserem mitteleuropäischen Kulturkreis in einem gewöhnlichen Grab nebst steinernem Kreuz ein Blumenbeet samt Gewächsen erwartet, so haben sich die verstorbenen Pozuziner folgend unter die Erde bringen lassen:



Am Kreuz gibt es natürlich auch am Friedhof ‚Cemeterio Los Colones‘ kein Vorbeikommen, allerdings sind diese hier entweder aus Metall gegossen und auf einem kleinen Felsen positioniert, oder aber aus weißem Kalkstein geformt. Dennoch enthalten die Kreuze zur Identifizierung der Toten eine eingravierte Inschrift. Sowohl auf ein Blumenbeet, als auch auf überflüssigen Grabschmuck wie Schreine, Leuchten oder Kerzen wird gänzlich verzichtet.

Hingegen die Pozuziner lieber hochwachsende Palmen in roter Farbe gedeihen lassen und das eine oder andere Grab auch mit Blumengewächsen schmücken. Das halte ich nicht nur für einen optischen Vorteil als die strenge und rigide Anordnung in flachen Gräbern in Mitteleuropa. Sondern hiermit wird ebenfalls symbolisiert, dass aus der Asche des Leichnams noch etwas großes und prunkvolles emporwachsen kann. Ein toller Einfall!

DAS MUSEUM SCHAFFERER GIBT EINEN AUTHENTISCHEN EINBLICK IN DIE STADTGESCHICHTE VON POZUZO

Gleich neben dem antiken Friedhof findet sich das Museum Schafferer, an dem ebenfalls kein Vorbeikommen ist.


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Wer dieses Museum warum auch immer während seines Aufenthaltes in Pozuzo nicht besuchen kann, der wird nicht nur etwas verpassen, sondern dem wird auch ein stückweit essentielle Historie zum besseren Verständnis über die Entstehung des Ortes Pozuzo sowie der Motivation der damaligen österreichischen Aussiedler aus Tirol nicht bekannt. Für lächerlich geringe 3 peruanische Soles (0,70€) gewährt einem das Museum Schafferer täglich bis zu acht Stunden den Eintritt.


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Leider waren keine fotografischen Aufnahmen während des Museumsbesuches gestattet. Vielleicht war das aber auch gar nicht mal so schlecht, denn sonst hätte ich jedes Exponat einzeln fotografiert und hier mühselig hochladen müssen. Möglicherweise ist es deshalb ganz gut, nicht unbedingt alles vorzeigen zu müssen.


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Im Garten des Museums Schafferer befindet sich ein ca. 25 Meter hoher Baum, auf dem die beheimateten Vögel ihre Nester gebaut haben und den lieben langen Tag nichts anderes tun als vor sich hinzuflattern und zu singen:



Der Klang der geträllerten Melodie war für mich ebenso exotisch wie der Vogel selbst. Doch haben Sie etwas bemerkt? Außer den Vögeln selbst hört man rein gar keine anderen Geräusche in diesem Video. Keine Stimmen, keine Motorengeräusche, rein gar nichts was einen Besucher stören könnte. So oder so ähnlich stelle ich mir das Paradies auf Erden vor. Und das Museum Schafferer befindet sich auf einer der beiden „Hauptstraßen“ von Pozuzo, wie Sie auf dem einleitenden Bildausschnitt von Google Maps sehen konnten. Allerspätestens jetzt können Sie sich vorstellen, wie idyllisch die Ortschaft ist und wie niedrig die Geräuschbelastung.

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One thought on “Pozuzo in Peru – Wenn die Alpen auf die Anden treffen

  1. ปั้มไลค์'s avatar

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