Wie wird die dominikanische Bevölkerung reagieren?
Sie reagieren ja schon. Und das war ziemlich überraschend für mich zu beobachten, dass sie im Moment die gleichen Panikkäufe tätigten wie andere Länder.
Ich habe niemals zuvor in der Dominikanischen Republik so viele Menschen in den Supermärkten gesehen…

…mit sich langsam leerenden Produktregalen…
…und komplett überfüllte Einkaufswagen…
Grundsätzlich bin ich ohnehin schon mit widerlichem Dosenfraß bestens ausgerüstet, weil ich ein ziemlich hungriger Zeitgenosse bin. Aber auch ich habe mehr Lebensmittel für die nächsten Tage und Wochen hinzugefügt. Und natürlich etwas zusätzlichen Sprit. Man weiß nie, in wie weit sich Versorgungsengpässe auswirken und was noch alles passieren könnte!

Das größte Problem, das ich hier sehe, ist die Bevölkerung selbst. Dominikaner sind ziemlich chaotische Zeitgenossen in unstrukturierten Systemen und bereiten sich niemals auf irgendwas vor. Und mit chaotisch meine ich wirklich chaotisch, unorganisiert und zerstreut. Zuvor habe ich das hier geschrieben …
In dieser Notsituation ist es natürlich schwierig, einen Plan B zu haben, wenn Sie nicht einmal einen Plan A unfallfrei ausüben können.
Dies wird besonders deutlich in Bezug auf buchstäblich jede Art von System oder Prozess in der Dominikanischen Republik. Auf jeder Ebene. In jeder Stadt. Von jeder Organisation. Dominikaner neigen dazu, definitiv keinen Plan B zu haben, aber ihr Plan A läuft auch so schon ziemlich chaotisch. Wenn sich Menschen in unstrukturierten Systemen daran gewöhnen, wird dies zur Normalität und Routine. Aber wenn etwas diese normale Chaosroutine stört und aus dem Rhythmus bringt, dann kann ein noch viel größeres Chaos ausbrechen.
Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, was mit den Touristen passieren wird, die die Dominikanische Republik jetzt nicht zurück in ihre Heimatländer verlassen können und im Land bleiben müssen. Ein bisschen mehr Chaos wird dem ohnehin schon existierenden Chaos beigefügt.
Alle anderen Reaktionen werden interessant zu beobachten sein. Ich habe keine Ahnung, wie das Leben zum Beispiel in meinem Heimatland in Europa jetzt sein muss. Natürlich kenne ich Geschichten, lese Berichte und spreche mit Familie und Freunden.
Aber ich weiß einfach nicht wirklich, wie es ist, wenn ich es nicht selbst erlebe. So kann ich nur berichten, wie es in einer völlig anderen Gesellschaft und Kultur ist. Wie es jetzt in der Dominikanischen Republik ist. Ich bin sehr gespannt, wie das dominikanische Volk reagieren wird.
Ich bin wirklich neugierig, wie die dominikanische Regierung ihre Maßnahmen durchsetzen will. Natürlich werden die Schüler froh sein, nicht mehr zur Schule oder Universität gehen zu müssen. Aber all die anderen Dinge?
Aber was ist, wenn in der Dominikanischen Republik eine echte Ausgangssperre verhängt wird?
Für mich ein unmögliches Szenario. Die Dominikanische Republik ist ein sehr freies und liberales Land. Erinnerst Du dich, was ich früher geschrieben habe?
“Was interessieren mich die Probleme anderer Menschen? Mir geht es prima und ich habe keine Probleme. Ich genieße mein Leben und habe keine Sorgen, solange ich ausreichend versorgt bin und genügend zu essen und zu trinken habe. Gracias a Dios!
Dominikanische Lebenseinstellung
Dominikaner machen gerne das, was sie machen. Dominikaner mögen es, frei zu sein. Die Dominikaner halten sich nicht wirklich an ihre Gesetze oder ihre Vollstrecker. Das Gefühl von Freiheit ist, was die Dominikanische Republik so auszeichnet.
Irgendwie kann ich mir nicht wirklich vorstellen, wie eine Ausgangssperre sein würde. Ich gehe davon aus, dass sich die Menschen trotzdem auf den Straßen wieder treffen, sich normal mit Küsschen begrüßen und im Colmado etwas gemeinsam trinken werden. Ich würde das nicht als rücksichtsloses Verhalten bezeichnen, ich würde es als nachlässig oder sorglos bezeichnen. Wie ich es früher geschrieben habe.
Selbst wenn das Leben Anderer in Gefahr sein wird, vermute ich, dass das dominikanische Volk sein Verhalten nicht ändern würde. Sie werden immer noch Händeschütteln, ganz normal rausgehen und gemeinsam eine Flasche Rum miteinander teilen.
Was wird mit der dominikanischen Wirtschaft passieren?
Das gleiche, was natürlich auch mit allen anderen Wirtschaften weltweit geschehen wird. Es wird drastisch sinken.
2019 war ja schon ein ziemlich beschissenes Jahr für den Tourismus in der Dominikanischen Republik mit all den selbstverschuldeten Toten US-Bürgern in den All-Inclusive-Resorts in Punta Cana und der darauffolgenden Medienhysterie der US-amerikanischen Presse. Der Tourismus war im letzten Jahr ohnehin schon schwer angeknockt und erreichte Rekordstornierungen von bis zu 70% im Juni/Juli.
2020 war also als Jahr der wirtschaftlichen Erholung und Konsolidierung gedacht. Irgendwann vergisst ein Kunde hat mal, was war und reist erneut in das frühere Krisengebiet. Aber mit dem Coronavirus UND den anstehenden Präsidentschaftswahlen im Mai lassen sich diesmal hässliche Zeiten für die Dominikanische Republik prognostizieren. Dafür muss man kein Volkswirtschaftler oder Top-Ökonom sein.
Obwohl das Land mit dem Wirtschaftswachstum in Lateinamerika am stärksten ist …
… jede Prognose muss bald korrigiert werden. Natürlich nach unten.
“We have a weakness, this is a disease that has not been generated in the country that until now has not spread, but we have an enormous risk, because this country, its main economic activity is tourism.”
Administrative Minister of the Presidency, José Ramón Peralta
Das Leben vieler Menschen auf der Insel wird sich negativ verändern und eine Rezession der dominikanischen Wirtschaft wird ein realistisches Szenario werden.
Aber die Dominikaner werden auch weiterhin Merengue miteinander tanzen











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