
Als orthopädische Rehaklinik ist die cts Klinik Schlossberg in Bad Liebenzell mitten im Herzen des Schwarzwaldes gelegen und therapiert seit langen Jahrzehnten Patienten bei orthopädischen Erkrankungen. Seit September 2023 gehören auch psychosomatische Therapiegruppen zum Portfolio der cts Klinik Schlossberg. Ebenfalls ermöglicht die Klinik auch eine Kur für pflegende Angehörige. Doch wie gut oder schlecht verbringt sich dort als Patient die Zeit? Was erwartet mich in der cts Schlossklinik in Bad Liebenzell? Als pflegender Angehöriger konnte ich viele Einblicke gewinnen und weiß von vielen Herausforderungen eines in die Jahre gekommenen Kurhauses zu berichten.
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Wer schreibt diesen Artikel?
- Warum schreibe ich diesen Artikel?
- Zustand der Klinik
- Therapien und Anwendungen
- Personal
- Essen
- Zimmer
- Außerplanmäßige Aktivitäten
- Über Bad Liebenzell und die nähere Umgebung
- Erwartungshaltung und Realität
- Lohnt sich die Kur für pflegende Angehörige in der cts Schlossklinik in Bad Liebenzell?
- Was nehme ich mit in meinen Alltag?
Wer schreibt diesen Artikel?
Die cts Schlossklinik in Bad Liebenzell bietet momentan Therapien für drei verschiedene Zielgruppen an:
- Orthopädische Rehabilitation
- Psychosomatik
- Kur für pflegende Angehörige
Ich gehöre kaum zur üblichen Zielgruppe der Patienten der cts Schlossklinik. Mit 35 Jahren war ich nicht nur altersbedingt in der dritten Patientengruppe der pflegenden Angehörigen der mit weitem Abstand jüngste Patient. Auch insgesamt gab es bereichsübergreifend nur wenige Ausnahmen, die in meiner Altersklasse rangierten. Das ist auch soweit in Ordnung, schließlich habe ich in einer Rehabilitationsklinik mit dem Schwerpunkt Orthopädie und als Teilnehmer der pflegenden Angehörigen jene Altersstruktur fast schon erwartet.
Warum schreibe ich diesen Artikel?
Wie so häufig bei längerfristigen Aufenthalten in meinem Leben gelange ich in die Position des stillen Beobachters und versuche zu bemerken, analysieren, verstehen, beschreiben und empfehlen. In diesem Fall war ich überrascht, dass sich noch niemand bisher die Mühe gemacht hat, diesen Aufenthalt aus der Perspektive eines Kurpatienten zu beschreiben. Schließlich erwähnte einer der Therapeuten, dass es diese Kur für pflegende Angehörige seit bereits seit 1997 gäbe.
Zwar existieren auf Google Maps und einschlägigen Websites über Kuren/Rehas viele Rezensionen. Allerdings lesen sich diese wie so häufig als eher impulsive Kommentare. Man kennt es vielleicht bei vielen vergleichbaren Äußerungen auf anderen Plattformen: Es finden sich eher inhaltsarme aber impulsive Aussagen bei Lob oder Kritik. Diese Lücke an detaillierten Inhalten möchte ich mit viel Text und Bildern versuchen zu schließen. Möglicherweise nützt dieser Artikel dem einen oder anderen Patienten bei der Informationsfindung oder Planung eines möglichen Kuraufenthalts.
Einige Abschnitte dieses Artikels lesen sich also stark aus der Position eines pflegenden Angehörigen. Aber grundsätzlich richtet sich der Artikel an alle Leser, die in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft diese Einrichtung als Patient besuchen durften oder es noch planen möchten. Vielleicht hat sich der Eindruck bestätigt? Oder gab es in der Zwischenzeit Verbesserungen in der Kurklinik und der Artikel ist nicht mehr auf dem neuesten Stand? Es ist jederzeit möglich, ein Kommentar am Ende dieses Artikels zu hinterlassen und die eigene Sicht der Dinge zu beschreiben.
Zustand der Klinik
Ich habe mehrere Jahre in Lateinamerika gelebt und schon die eine oder andere Bausünde bestaunen und begehen dürfen. Die Kurklinik in Bad Liebenzell hat jedoch bisher alles getoppt, was ich mir nicht mal in meinen kühnsten Albträumen hätte vorstellen können. Die Gebäude sind wirklich in die Jahre gekommen und bedürfen einer dringenden und allumfassenden Erneuerung. Alles hat einen veralteten und ausrangierten Charme, Grünanlagen waren zum Zeitpunkt meines Aufenthalts nicht gepflegt und so langsam blätterte überall außen und innen der Putz ab. Optische Mängelzustände waren nicht mehr zu übersehen, so manches medizinische oder sportliche Gerät hatte sicherlich schon mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel oder gehörte noch zum Originalrepertoire.


Als ursprüngliche Rehabilitationsklinik für orthopädische Patienten liegt das Gebäude äußerst ungünstig an einem Hang, hat viel zu wenige Aufzüge und bedingt je nach Therapieplan sehr weite Wegstrecken für die Patienten. Problematisch neben dem eklatant vorhandenen Mangel an Aufzügen ist deren Fehleranfälligkeit. Während meines dreiwöchigen Aufenthalts war einer von drei Aufzügen im Haupthaus die gesamte Zeit außer Betrieb.


Ab ungefähr der Hälfte meiner Zeit dort funktionierte dann ebenfalls einer von zwei Aufzügen im Therapiehaus nicht mehr. Das alles hatte dann natürlich zur Folge, dass Patienten entweder beschwerliche Wege im Treppenhaus auf sich nehmen mussten oder aber sich sehr lange Schlangen an den wenigen funktionierenden Aufzügen bildeten. Insgesamt eine untragbare Situation für all jene, die ausschließlich auf dieses Fortbewegungsmittel angewiesen sind.
Die Parkplatzsituation ist ebenfalls sehr herausfordernd. Neben eines stark begrenzten Parkdeckes, stehen den Patienten wenige Parkflächen vor dem Haupteingang zur Verfügung.

Insgesamt reichen die Kapazitäten jedoch bei Weitem nicht aus und es muss auf die umliegenden Straßen ausgewichen werden. Auch hier müssten dann im ungünstigsten Fall viele Meter zurückgelegt werden. Das sich im Gebäude befindliche Parkhaus ist jedoch lediglich den Beschäftigten der Klinik und ambulanten Patienten vorbehalten.
Darüber hinaus hätte ich mir nicht vorstellen können, dass der Haupteingang im 5. Untergeschoss ist und sich die Patientenzimmer vertikal bis in das 7. Obergeschoss in einem völlig anderen Gebäude erstrecken. Verbunden ist das Therapiehaus mit dem angebauten Haupthaus über einen Korridor. Wem ein Zimmer auf der Terrasse zugewiesen wurde, darf dann bei An- und Abreise mit den Koffern nochmal bis zu zwei Etagen im Treppenhaus zurücklegen. Nur Irrgärten sind komplizierter.

Als wären diese Wege nicht schon missverständlich genug, werden manche Termine in einem weiteren angrenzenden Gebäudetrakt abgehalten, das wiederum mehrere Minuten Fußweg bedarf und deren Etagen ohne Aufzug nur durch Treppensteigen erreicht werden können. Alles in allem höchst konfus geplant und umgesetzt.
Mir selbst hat diese ganze Fortbewegung kaum etwas ausgemacht. Ich habe es als Herausforderung verstanden und jede Entfernung so oft ich konnte zu Fuß zurückgelegt um meinen Schrittzähler zu neuen Bestleistungen in die Höhe zu treiben. Wer altersbedingt jedoch nicht viele Treppen zurücklegen kann oder sich aufgrund der Behandlung auf Krücken fortbewegen muss, hat hier deutlich das Nachsehen und muss sehr viel Geduld aufbringen. Das kann in einem eng gestaffelten Terminplan schon mal sehr frustrierend sein und auch zu Verspätungen führen.
W-LAN
Unvermeidlich in der heutigen Zeit ist das W-Lan. Für Patienten natürlich die beste Gelegenheit, um mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Aber auch sonst für individuelles Entertainment auf dem Zimmer unersetzlich.


Sowohl die Verfügbarkeit, Signalstärke als auch Up- und Downloadgeschwindigkeit erinnerte mich an Zeiten, an denen in Deutschland noch mit der D-Mark gezahlt wurde. Es ging nur im digitalen Schneckentempo vorwärts, wenn überhaupt. Lediglich in der Cafeteria war in einem ganz eingeschränkten Bereich ein minimales Signal vorhanden. Auf den Patientenzimmern ging leider gar nichts, was meinen Konsum an mobilen Daten in diesen drei Wochen auf ca. 20 Gigabyte anschwellen ließ. Also war erst mal vorbei mit den modernen Streamingdiensten für Musik und Film, was das digitale Entertainment für mich ziemlich minimiert hatte.
Keine Ahnung, ob das ein gewolltes Konzept für mehr analogen Austausch zwischen den Patienten innerhalb der Kurklinik war oder in einer weiteren Sparmaßnahme begründet lag. Vielleicht war es dort einfach so gewollt weil nicht anders gekonnt. Digitalisierung war jedenfalls ein Fremdwort und in jenem Fall war der Zustand im November 2023 bei Weitem nicht mehr zeitgemäß.
Waschraum
Es gibt auf der 3. Etage einen Waschraum mit einer einzigen Waschmaschine, die zweimal täglich von den Patienten reserviert werden kann. Wir erinnern uns gerne, dass die Klinik maximal 130 Patienten gleichzeitig beherbergen kann. Bei Aufenthalten von 3-6 Wochen verstehe ich das Verhältnis zwischen Waschmöglichkeit und Patient als sehr unausgewogen.


Ganz besonders übel war, dass ich den Wäschetrockner nicht nutzen konnte. Die Tür vom Trockner ließ sich nicht schließen und ich musste dann in diesem winzigen Waschraum meine Wäsche auf einem Reck aufhängen. Da der Schlüssel für den Waschraum nur zweimal täglich zu festen Zeiten rausgegeben wurde, konnte die Wäsche im Spätherbst nicht bis zur Übergabe rechtzeitig trocknen. Ich musste also alles feucht abhängen, in den 7. Stock tragen und dort notgedrungen über den Heizkörper meines Badezimmer aufhängen. Nur blöde, dass die Badezimmer in diesem Gebäude über keine Fenster verfügen und Schimmelbildung leider begünstigt wird.
Therapien und Anwendungen
Ich erinnere mich an eine Aussage der Sozialberaterin beim ersten Treffen. Die Patientengruppe der pflegenden Angehörigen genieße einen Sonderstatus innerhalb aller zu behandelnden Patienten und kann über den gesamten Aufenthalt frei über die Teilnahme entscheiden. Falls eine aktive Teilnahme an allen Behandlungen und Therapien nicht gewünscht sei und stattdessen der gesamte Aufenthalt außerhalb der Klinik verbracht werden möchte, stellt das kein Problem sondern eine Gelegenheit zur freien Gestaltung und Zeiteinteilung dar. Nichts ist verpflichtend und dieses Privileg gilt nur für pflegende Angehörige.
Diesen eher als freiwillig zu verstehenden Therapieansatz fand ich etwas merkwürdig und gleichzeitig ereignisarm. Glücklicherweise empfanden das alle anderen pflegenden Angehörige ebenfalls so und ich war bei diesem Gefühl nicht alleine. Bei durchschnittlich drei Anwendungen á 30 Minuten pro Tag gelangt kaum Dynamik oder Ablenkung vom Alltag in den Kuraufenthalt. Es war insgesamt also viel zu wenig los und erst gegen Ende meines Aufenthaltes steigerte sich langsam das Pensum.
Um einen Einblick in meinen individuellen Therapieplan zu geben, dient diese Übersicht ganz gut:
| Montag | Dienstag (Anreise) | Mittwoch | Donnerstag | Freitag |
|---|---|---|---|---|
| / | 10:00 Arztgespräch | 10:30 Gymnastik | 09:00 Gymnastik | 09:30 Gesprächskreis |
| / | 13:00 Patientenaufnahme | 13:30 Gerätetraining-Einweisung | 10:00 Gerätetraining | |
| / | 15:00 Offizielle Begrüßung | 13:30 Entspannungstherapie |
| Montag | Dienstag | Mittwoch | Donnerstag | Freitag |
|---|---|---|---|---|
| 07:35 Blutentnahme | 09:00 Gymnastik | 10:30 Wärmepackung | 09:00 Gymnastik | 10:00 Gesprächskreis |
| 10:00 Stressbewältigung durch Bewegung | 09:30 Arztgespräch | 11:30 Wannenbad | 13:30 Entspannungstherapie | 13:30 Wassergymnastik |
| 11:30 Gerätetraining | 11:00 Hydrojet | 15:00 Seminar Sport | ||
| 14:15 Wärmepackung | 13:30 Wassergymnastik | |||
| 15:30 Rückenschule |
| Montag | Dienstag | Mittwoch (Feiertag) | Donnerstag | Freitag |
|---|---|---|---|---|
| 09:00 Gerätetraining | 09:00 Gymnastik | / | 09:00 Gesprächskreis | 09:00 Arztgespräch |
| 13:45 Wärmepackung | 10:00 Vortrag Pflegeversicherung | / | 10:30 Wannenbad | 11:45 Wärmepackung |
| 13:30 Wassergymnastik | / | 11:30 Gymnastik | 12:30 Sozialberatung | |
| / | 13:30 Entspannungstherapie | 13:30 Wassergymnastik | ||
| / | 14:30 Psychologisches Gespräch | 15:00 Offizielle Verabschiedung |
Natürlich ist es ebenfalls schwierig, die wahren Hintergründe für diese Therapieplanung verstehen zu können ohne hinter die Kulissen zu blicken. Als Resultat kommt dennoch ein recht magerer gestalteter Terminplan dabei raus.
Ich vermute, dass sich auch der grundsätzliche Fachkräftemangel in Deutschland und der Fokus auf die orthopädischen Patienten der Klinik hierdurch ein stückweit erklären lässt. Das ist dann widerum bedauerlich, wie sehr die vorhandenen Therapeuten dann bis an die Leistungsgrenze gehen müssen, um es bei eingeschränkten Kapazitäten allen Recht zu machen. Teilweise fanden die Therapien für die othopädischen Patienten in den Korridoren oder Treppenhäusern der Klinik statt und manche Therapeuten mussten ebenfalls aufgrund der Bausünde von einem Gebäude weite Wegstrecken laufen.
Personal
Das Personal ist wirklich sehr nett, hilfsbereit und zuvorkommend. Sehr liebe Seelen, von den Servicekräften im Speisesaal bzw. Cafeteria über Therapeuten, Krankenschwestern und Reinigungskräfte. Ich habe viele gute Gespräche führen können und bei kleineren Fragen immer gute Antworten und oftmals auch hilfreiche Tipps bekommen. Bei vielen Therapeuten hatte ich das Gefühl, dass sie sehr motiviert sind und Behandlungserfolge bei ihren Patienten anstreben. Also das genaue Gegenteil von Dienst nach Vorschrift und im Sinne der Patienten.
Zwei Minuspunkte gab es lediglich für meinen behandelten Arzt und die Rezeption.
Sowohl beim Aufnahmegespräch als auch beim Zwischengespräch hatte ich nicht unbedingt den Eindruck, gemeinsam mit dem Arzt Inhalte meines Aufenthaltes individuell auf meine Bedüfnisse gestalten zu können. Selbst wenn es sprachliche Barrieren zwischen meines behandelnden Arztes und mir gab, so ist es für mich dennoch als Laie unerklärlich, wieso er meine medizinischen Vorgeschichte nicht notierte, mitgebrachte Dokumentation anderer Ärzte völlig ignorierte und eine Sehnenscheidenentzündung + Golf- und Tennisarm als HWS-Syndrom interpretierte. Ähnlich uninspiriert verlief dann das 5-minütige Zwischengespräch nach einer Woche, bei dem ich keine Änderung meines Therieplans zu meinen Gunsten erwirken konnte. Somit hätte man sich diesen Vorgang eigentlich auch sparen können. Glücklicherweise verlief das Abschlussgespräch dann beim Stationsarzt etwas professioneller ab als die beiden vorigen Termine.
Auch die Rezeption ist leider nicht auf einem einheitlichen Qualitätsniveau besetzt. Einer sehr professionellen und hilfsbereiten Tagschicht stand leider das genaue Gegenteil in der Spätschicht und an den Wochenenden gegenüber. Wo die Dame tagsüber Horden an Patienten gekonnt ein- und auscheckte und jedes Anliegen aller Patienten zu bearbeiten wusste, so offen blieb jede Frage bei allen anderen Beschäftigten außerhalb der Stoßzeiten. Entweder mit dem Verweis auf keine Ahnung, keine Zuständigkeit oder kein Zugriff. Jedem zukünftigen Patienten dieser Klinik würde ich daher in Anbetracht einer schnellen und effizienten Bearbeitung des individuellen Anliegens oder Lösung eines Problems empfehlen, sich ausschließlich an Yvonne zu wenden.
Wofür man das Personal aber ganz und gar nicht verantworten kann, ist das Essen…
Essen
Liebe geht eben auch durch den Magen. Was diese sehr wichtige Eigenschaft für einen erfolgreichen Aufenthalt betrifft, so hat es zwischen mir und der Klinik nicht gefunkt. Ganz im Gegenteil: Kulinarisch hat sich kein leidenschaftliches Feuerwerk entzünden können. Der Ofen blieb nicht nur im übertragenen Sinne aus.
Denn selbst wenn die vorhandene Kantine/Küche über alle notwendigen Gerätschaften für eine frische Zubereitung verfügt, werden die Mahlzeiten von externen Lieferanten verschafft. Aus wirtschaftlichen Gründen kann ich das schon nachvollziehen, da es insgesamt nicht nur günstiger pro Mahlzeit sondern wahrscheinlich auch logistisch einfacher abzuhandeln ist. Allerdings geht das voll auf die Qualität und den Zustand der Speisen, was auch in der Lieferzeit bzw. den Transport- und Lagermöglichkeiten begründet liegt.
Sinn und Unsinn von Essensgruppen
Aufgrund von gesundheitlichen Sicherheitsmaßnahmen zur Vermeidung von Infektionskrankheiten wurden die Patienten in zwei Gruppen eingeteilt, welche zu unterschiedlichen Zeiten in den Speisesaal essen durften. Wo sich eigentlich alle Patienten unterbringen ließen, wurde also eine strikt zeitliche Trennung vorgenommen. Doch damit nicht genug: Auch an den Tischen wurden nochmal die Sitzplätze um die Hälfte reduziert und Scheiben aus Plexiglas verschraubt um die Kontaktmöglichkeit und den gesellschaftlichen Austausch zu verhindern.

Was nützt eine solche Aufspaltung zur Kontaktvermeidung, wenn wiederum an der Salatbar oder am Wasserspender die Patienten Schlange stehen und die gleichen Kontaktflächen mit Knöpfen, Zangen oder Suppenkellen nacheinander gebrauchen? Effekt gleich Null. Am Tisch hat man in Gesprächen den Gegenpart auf der diagonal gegenüberliegenden Seite akustisch wegen dieser durchsichtigen Trennwand nicht verstehen können, sich zum besseren Verständnis also rübergelehnt und damit dann das gesamte Schutzvorhaben in zwei Sekunden problemlos ausgehebelt. Überraschenderweise scheint es ein Infektionsrisiko in der cts Schlossklinik ausschließlich im Speisesaal zu geben. Weitere Maßnahmen konnte ich während meiner Zeit dort nicht beobachten. Hinterher nutzten dann auch wieder Patienten aus beiden Gruppen den gleichen Aufzug oder saßen am gleichen Tisch in der Cafeteria. Es war also insgesamt ein sehr merkwürdiges Schauspiel.
Allerdings hat sich das Personal im Speisesaal wirklich außerordentlich Mühe gegeben und einen sehr guten und zuvorkommenden Eindruck hinterlassen, das lässt sich nicht anders sagen.

Ich durfte mich also in Gruppe 2 eingliedern, was auch völlig in Ordnung ist. So früh um 11:15 Uhr bekomme ich in einem geregelten Tagesablauf normalerweise auch keinen Bissen eines Mittagessens runter. Um diese Uhrzeit verdaue ich erst die morgendliche Tasse Kaffee.
Qualität und Quantität auf Sparflamme
Die Einteilung in zwei Gruppen hatte jedoch auch viele negative Auswirkungen auf die Speisen: Geschnittenes Gemüse trocknete aus, die Suppe war maximal noch lauwarm zu verzehren und gelegentlich war von den Buffets auch nicht mehr viel übrig. Wer zuerst kommt, mahlt nun mal zuerst. Ebenfalls wirkten die warmen Speisen auch häufig verkocht, verwässert und ungewürzt. Zum Mittagstisch werden die Speisen bereits vor der Anlieferung gekocht und sowohl während des Transportes als auch vor Ort im Speisesaal warmgehalten. Das geht natürlich auf Kosten von Konsistenz und Qualität.
Die Verpflegung in der cts Schlossklinik rangiert qualitätsmäßig zwischen Knast und Kloster, quantitätsmäßig sind es meist eher genügsame Seniorenteller. Während meines Aufenthaltes habe ich sehr viel in den lokalen Supermärkten hinzukaufen müssen, um an ausreichend Nahrung mit gesunden Inhaltsstoffen zu gelangen. Ebenfalls lernte ich die lokalen Restaurants in Bad Liebenzell dadurch nicht nur kennen, sondern auch lieben.
Wo ich gerne sonst immer fleißig Fotos von köstlichen Speisen aufzeichne, so ließen mich die dargebotenen Speisen meist zutiefst enttäuscht zurück. Zu entmutigend war die Auswahl und Darbietung der Speisen. Selten wollte ich eine fotografische Momentaufnahme festhalten. Nicht nur gibt es keine veganen Alternativen in der Menüauswahl, bspw. fehlten auch für Diabetiker wichtige Hinweise auf dem Speiseplan.
Frühstück
Das Frühstück war leider ein unvergleichliches Trauerspiel ohne jegliche Variation. Es gab jeden Tag das exakt gleiche Angebot aus Käse, Wurst und allerlei in Plastik verpackten Brotaufstrichen. Wer auch immer das Frühstück als die wichtigste Mahlzeit des Tages erklärt hat, wäre über jene Darbietung im Speisesaal der cts Schlossklinik mehr als entsetzt gewesen.



Ich für meinen Teil musste jeden Morgen mit mir ringen, ob ich mir das antun oder lieber bis zum Mittagessen warten sollte. Den Verzehr des Frühstücks habe immer von morgendlichen Aktivitäten oder einem gefüllten Therapieplan abhängig gemacht und bin an ca. der Hälfte aller Tage ohne Nahrungsaufnahme in den Tag gestartet. Der Kaffee war allerdings überraschend gut und wurde tassenweise von mir getrunken.
Mittagessen
Hier gab es wochentags die Möglichkeit, zwischen drei Gerichten zu wählen: Vollkost, Schonkost und Vegetarisch. Ergänzt wurde die Speisenwahl durch ein SB-Buffet aus Tagessuppe und der Salatbar, welche leider aus säuerlichem Gemüse bestand. Es war leider für die Geschmacksnerven kaum zu unterscheiden, ob es sich hierbei um vergorene oder in Essig getränkte Speisen handelt.



Am Wochenende jedoch war die Auswahl recht eingeschränkt. Quasi der kulinarische Lockruf zur Flucht in andere Örtlichkeiten.

Abendessen
Ich hätte lieber “Abendbrot” schreiben sollen, statt Abendessen. Denn es wurde ähnlich wie zum Frühstück ein Buffet mit Brot angeboten und dem gleich verpackten Honig, Frischkäse, Nutella, etc. wie schon zum Frühstück. Immerhin wie schon zum Mittagessen ergänzt durch die in Essig getränkte Salatbar.

Insgesamt also war die Verpflegung dort ein Wechselbad der Gefühle. Hätte ich vorher gewusst, was mir dort drohte, so hätte ich wahrscheinlich das eine oder andere elektrische Küchengerät zur Herstellung oder Kühlung eigener Speisen mitgenommen und auf dem Zimmer zubereitet.
Wo wir aber gerade über die Zimmer sprechen…
Zimmer
Ich habe während meines Aufenthaltes zwei verschiedene Zimmerkategorien kennen lernen dürfen. Für zwei Nächte war ich in einem Zimmer mit Terrasse im 2. UG untergebracht und die restliche Zeit in einem Zimmer im 7. Stock. Grundsätzlich war die erste Zimmerkategorie besser: Neben der besonderen Charakteristik mit Terasse und Sonnenliege hatte das Zimmer sowohl mehr Quadratmeter und Schränke zu bieten.

Möglicherweise durch den sanierungsbedürftigen Zustand bedingt, waren viele Handwerker zu Reperatur- und Instandhaltungen unterwegs. Das hatte in meinem Fall zur Folge, dass direkt neben meinem Terassenzimmer zwei Baustellen waren und schon ab 8 Uhr morgens bis nachmittags 17 Uhr gebohrt und gehämmert wurde. An Ruhe und Erholung war aus diesen Gründen während des Tages kaum zu denken, Schlaf gar unmöglich.
Aus diesem Grunde habe ich bei der Rezeption nach zwei Nächten um einen Wechsel des Zimmers gebeten. Die neue Zimmerkategorie im 7. Stock war insgesamt kleiner und kompakter, bot aber einen weiten Ausblick über das Tal. Gebohrt und gehämmert wurde glücklicherweise nicht im 7. Stock. Allerdings lag mein Zimmer direkt gegenüber vom Aufzug und damit in einem höchst frequentierten Bereich zu den Stoßzeiten. Ob dieser Tausch wirklich so sinnvoll und nachhaltig war, lässt sich im Nachhinein kaum mehr feststellen 🙂



Grundsätzlich war das zweite Zimmer jedoch recht überschaulich. Ohne W-LAN Verbindung hat auch mein mitgebrachtes AppleTV vollig den Zweck verfehlt.

Wenn also schon das Zimmer recht spartanisch eingerichtet und unwirtlich erscheint, so sind dann hoffentlich die außerplanmäßigen Aktivitäten vielseitig und bieten Abwechslung…?
Außerplanmäßige Aktivitäten
Für mich war es sehr spannend zu erfahren, was die Klinik den Patienten außerhalb des offiziellen Therapieplanes an Aktivitäten anbietet. Was gibt es sonst noch zu tun? Werden vielleicht Ausflüge oder kleinere Reisen am Wochenende angeboten? Gibt es sonst noch Möglichkeiten, etwas an den Abenden auf freiwilliger Basis dazuzulernen?
Die Realität hingegen war eher ernüchternd. Während meines Aufenthaltes gab es nur ganz wenig sonst zu tun. Vielleicht war auch das eine zusätzliche Motivation, diesen Artikel zu verfassen. Schließlich musste ich mich irgendwie selber beschäftigen.
Extraschichten waren im Kraftaum lediglich von Freitag bis Sonntag für jeweils zwei Stunden abends möglich.

Ebenso extra Schwimm-Schichten ganze 6x die Woche.

Was mir gefallen hatte, war das überdimensionale Schachspiel auf der Terasse vor der Caféteria. Allerdings habe ich während meines Aufenthalts keine einzige Partie Schach beobachten können, was vielleicht auch witterungsbedingt war.

Toll war aber die Gelegenheit, einmal pro Woche Badminton zu spielen:

Das war es allerdings auch schon. Die Cafeteria selbst war auch kein uriger Ort zum Verweilen:



Die letzte Möglichkeit wäre noch, den Therapieraum im 7. Stock außerhalb der Behandlungszeiten zu nutzen.


Glücklicherweise wird dieser nie abgeschlossen und kann für kleinere Sporteinheiten oder ein paar ruhige Minuten außerhalb des eigenen Zimmers genutzt werden.
Über Bad Liebenzell und die nähere Umgebung
Bad Liebenzell liegt für theapeutische Zwecke in einer sehr guten Lage. Inmitten eines Tals liegt die Klinik an einem Hang und bietet Patienten viele Grünflächen, Wanderwege und direkte Sonneneinstrahlung. Allerdings sind die daraus resultierenden Aktivitäten an der frischen Luft sehr saisonal bedingt und auch nur in einem gesunden bzw. fitten Zustand zu genießen. So kann es witterungsbedingt an einem Tag völlig rauf und runter mit Temperaturen und Niederschlägen gehen, was den Aktionsradius eines Patienten einschränken kann.
Morgens ist der Nebel so dicht, dass keine 30 Meter Sichtweite bestehen, vormittags strahlt dann die Sonne vom Himmel und nachmittags regnet es unaufhörlich bis in die späten Abendsstunden.


Diese wechselhaften Bedingungen habe ich während meiner Zeit von Mitte Oktober bis Anfang November 2023 alle erleben dürfen. Sicherlich ist in den stabileren Sommermonaten der Aufenthalt noch etwas angenehmer und mit viel mehr Außenaktivitäten zu genießen.
Die gut zu lesende Tourismus-Website von Bad Liebenzell und die sich darunter befindliche Event-Seite gibt Aufschluss über lokal angebotene Aktivitäten.
Von Bad Liebenzell selbst lassen sich wie zuvor beschrieben viele schöne Orte erreichen.
Hirsau






Calw


Monbachschlucht



Burg Liebenzell


Wanderungen durch den Schwarzwald




Erwartungshaltung und Realität
Auf der Website der Klinik steht geschrieben:
Schwerpunkt in unserer Fachklinik Schlossberg ist die Rehabilitation und Anschlussrehabilitation bei orthopädischen Erkrankungen
https://www.cts-reha-bw.de/kliniken/bad-liebenzell/
Neben den orthopädischen Erkrankungen ist dort im September 2023 auch die Gruppe der psychosomatischen Patienten etabliert worden. Das ist auch völlig in Ordnung so. Allerdings wurde ich niemals das Gefühl los, dass die Kur für pflegende Angehörige als dritte Patientengruppe eher stiefmütterlich behandelt und als willkommenes Beiwerk interpretiert wird.
Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Es gibt für pflegende Angehörige keinen zentralen Ansprechpartner, Kursleiter oder vergleichbare Kontaktperson. Sowohl der Begrüßungs- als auch Abschiedstermin wurde von zwei unterchiedlichen Physiotherapeuten abgehalten, die Gruppengespräche von einer Sozialberaterin geleitet und Vorträge theoretischer bzw. informeller Natur von ganz unterschiedlichen Therapeuten.
An wen kann man sich also bezüglich spezifischer Fragen wenden? Als ich während der offiziellen Verabschiedung hörte, dass es diese Kur bereits seit 1997 gibt, konnte ich meinen Ohren kaum trauen. Viel eher wirkte es auf mich so, als steckte noch alles in den Kinderschuhen und hätte Startschwierigkeiten.
Bis zum heutigen Tag habe ich diesen vormals erwähnten Sonderstatus für pflegende Angehörige nicht als Privileg verstanden. Vielmehr wirkte dieses dreiwöchige Angebot für pflegende Angehörige in der Nachbetrachtung eher wie ein willkommenes Nebenprodukt für das medizinische Portfolio der Klinik. Wenig spezifische Therapieangebote, eher günstig im Unterhalt und was man gerne auch nebenbei macht und anbietet.
Auch die Informationen auf der Webseite www.zeit-fuer-mich.net lesen sich widersprüchlich zu den Erfahrungen vor Ort. Als allererstes fällt einmal auf, dass jene Seite schon mit dem Namen der Domain inhaltlich von der Hauptseite www.cts-reha-bw.de/ abgegrenzt wurde. Der zentrale Leitsatz lässt sich jedoch kinderleicht enttarnen:
“Die Klink in Bad Liebenzell auf dem Schlossberg gelegen, bietet zu jeder Jahreszeit beste Aussicht auf den Schwarzwald. In Fußnähe zur Stadt gelegen erreichen Sie das moderne Thermalbad und einen aktiven Kurbetrieb mit interessanten Veranstaltungen und Angeboten.”
www.zeit-fuer-mich.net
Mal abgesehen von den äußerst nebligen, grauen und verregneten Herbsttagen ist der Rest dieser Textpassage missverständlich formuliert und löste nicht nur für mich falsche Vorstellungen aus. Auch viele andere Patienten sind vor der Anreise von der gleichen Situation ausgegangen, dass das ‘moderne Thermalbad’ Teil der Reha-Einrichtung sei, da es im gleichen Satz mit dem aktiven Kurbetrieb verwendet wird. In der Realität jedoch existieren beide Einrichtung unabhängig voneinander, haben rein gar nichts miteinander zu tun und sind nicht unbedingt für alle Patienten in Fußnähe zu erreichen:

1,4 Kilometer bei 25 Metern Aufstieg und 17 Metern Abstieg sind je nach Alter und gesundheitlichem Zustand zu Fuß alles andere als ein Zuckerschlecken und bedürfen bei Wind und Wetter durchaus Überwindung. Wir erinnern uns ebenfalls an die orthopädischen Patienten, die teils auf Krücken die an einem Hang gelegene Klinik niemals Entfernungen ‘in Fußnähe’ erreichen konnten.
Davon abgesehen habe ich keinen aktiven Kurbetrieb mit interessanten Veranstaltungen beobachten können. Sicherlich ist es subjektiv und Geschmacksache, was wer wirklich interessant findet. Wenn jedoch rein gar keine Veranstaltungen angeboten werden, kann aber gar nichts interessant sein.
Lohnt sich die Kur für pflegende Angehörige in der cts Schlossklinik in Bad Liebenzell?

Im Gegensatz zu Patienten aus den anderen Gruppen kommen pflegende Angehörige nicht ins Schwitzen, wenn sie es nicht wirklich wollen. Während des ersten Gesprächskreises hob die Dozentin den Sonderstatus für pflegende Angehörige in der Kurklinik hervor. Im Gegensatz zu allen anderen Patienten der Klinik wird für pflegende Angehörige mehr Wert auf die individuelle Gestaltung des Therapieplans gelegt und kein fixes Pensum vorgegeben. Alle Termine an den Behandlungstagen seien als freiwillige Einheiten zu verstehen und nicht als Pflichtprogramm. Wer mochte, konnte auch an keiner einzigen Behandlung teilnehmen und den gesamten Aufenthalt nach freien Vorstellungen gestalten, solange man sich rechtzeitig abmeldet und die Nacht in der Klinik verbringt.
Dieser Ansatz hat mich doch dann ein wenig überrascht. Ich für meinen Teil habe keine 400 Kilometer Wegstrecke mit dem Auto zurückgelegt, um am dritten Tag meines Aufenthalts bereits die Ernsthaftigkeit dieses Angebots von einer Mitarbeiterin der Kurklinik in Frage gestellt zu bekommen. Dieser prägende Satz gleich zu Beginn der Anwesenheit hat dann doch Spuren in meinem Gedächtnis hinterlassen und mich für den Rest der Dauer ein stückweit entmutigt zurückgelassen. Ich hätte ein wenig mehr Hingabe seitens der Klinik für die Patientengruppe der pflegenden Angehörigen und dem von ihnen angebotenen Leistungen erhofft. Das Prädikat “Sonderstatus” ließ mich zuerst aufhorchen, dann aber etwas enttäuscht zurück. Das einzig Besondere war, dass man sich nicht besonders um die Gruppe der pflegenden Angehörigen gekümmert hatte.
Die Kur für pflegende Angehörige war für mich persönlich jedoch wichtig. Eine willkommene Auszeit aus dem turbulenten und ereignisreichen Alltag, quasi eine geplante Entschleunigung. Es war für mich ein gesunder Mix aus Sport und Erholung zugleich, jeweils im gut aufeinander abgestimmten Wechsel. Sehr gerne hätte ich jedoch abseits des Therapieplanes auch wirklich etwas Neues oder Gehaltvolles dazugelernt.
Mit den vielen zeitlichen Freiräumen während der Behandlungstage und an den Wochenenden war es mir dennoch möglich, die Zeit bestmöglich nach meinen Vorstellungen zu verbringen. Somit lag es also an mir, wie ich was wann und in welchem Umfang mit wem gestalte. Ich habe mich für die aktivere Variante entschieden, bin mehr als ausgiebig gewandert, habe viele Extraschichten im Kraftraum geschoben und die eine oder andere Ortschaft bzw. naheliegende Stadt erkundet.
Genauso erholsam waren für mich aber die vielen Stunden in der lokalen Paracelsus-Therme und die angenehmen Spaziergänge in Bad Liebenzell an den milden Herbsttagen. Ich habe endlich wieder den Kopf frei genug bekommen um mehrere Bücher mit vielen hundert Seiten zu lesen. Ebenfalls konnte ich meine selbstauferlegte Handy-Diät durchziehen und die Bildschirmzeit am Telefon um mehr als die Hälfte reduzieren.
Die Kur für pflegende Angehörige in der cts Schlossklinik in Bad Liebenzell lohnt sich schon – Wenn man weiß, was einen erwartet bzw. nicht zu hohe Ansprüche an den Therapieplan hat und rechtzeitig Aktivitäten und Entertainment außerhalb der Kur einzuplanen weiß. Ich hoffe, dass dieser Artikel interessierte Patienten ein wenig sensibilisieren konnte und möglicherweise einen wertvollen Blick hinter den Kulissen geliefert hat.
Was nehme ich mit in meinen Alltag?

Ich bin mit gemischten Gefühlen angereist und werde mit ebenjenen gemischten Gefühlen wieder abreisen. Es ist immer die Frage, in welchem Gemütszustand man eine Kur antritt und auch wieder verlässt. Eine ganz andere Frage ist jedoch, wie viel Abstand man in drei Wochen wirklich gewinnen kann bzw. wie sehr einen die Probleme und Herausforderungen aus dem heimatlichen Alltag beschäftigen, nicht loslassen und vielleicht sogar verfolgen. Für mich waren die besten und erholsamsten Momente in jener zweiten Woche, in der ich mal nichts aus der Heimat wahrnehmen durfte.
Während meines dreiwöchigen Aufenthalts habe ich die von der cts Schlossklinik Bad Liebenzell als “Zeit für mich” deklarierte Auszeit weniger als Kur verstanden und mehr als herausforderndes Trainingscamp akzeptiert. Meine Erwartungen an das Angebot der Einrichtung waren nach neugierigem Lesen der Rezensionen auf verschiedenen Portalen ohnehin nicht allzu hoch, wurden dann aber noch einmal unterboten. Trotz vieler lieber Menschen und einem modernen Schwimmbecken im Kurhaus bleibt vor allem ein unwirtliches Patientenzimmer, katastrophales Catering, kaputte Aufzüge und ein eher mager gestalteter Therapieplan über die cts Schlossklinik in der Erinnerung haften.
Ohne ruhigen Aufenthaltsraum bzw. Rückzugsmöglichkeit, einem sehr eingeschränkten Entertainment und keine außerplanmäßigen Aktivitäten war der Aufenthalt in der cts Schlossklinik in Bad Liebenzell eher ungemütlicher Natur. Wirklich lieben gelernt habe ich das Wandern durch den Schwarzwald, die vielen Wellness-Aktivitäten im Thermalbad und insgesamt achtsamer den Moment wahrzunehmen bzw. genießen zu können. Wie so häufig bei längerfristig auswärtigen Aufenthalten ist die wahre Kunst, alle guten und förderlichen Momente mitzunehmen und erfolgreich in den Alltag zu integrieren.































